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aus dem Eventrecht

Tarzan fällt verletzt aus

Von Thomas Waetke 22. Juni 2010

Ex-DSDS-Gewinner Alexander Klaws spielt Tarzan im Musical „Neue Flora“ in Hamburg. Bei einem Auftritt hat er sich eine Rippe gebrochen und war einige Tage ausgefallen, da er sich Tarzan-like mit der Faust auf die Brust trommeln sollte, was angesichts des Rippenbruchs nicht mehr umsetzbar war. Er wurde vorübergehend von seinen Kollegen vertreten.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Diese kleine Meldung birgt eine Reihe von rechtlich interessanten Themen in sich, die wir hier kurz anreißen möchten:

1.) Kann ein Besucher sein Eintrittsgeld zurückverlangen, wenn er extra wegen Alexander Klaws das Musical besuchen wollte?

Grundlegend kommt es darauf an, inwiefern der Veranstalter Werbung mit Alexander Klaws gemacht hat. Je prominenter die Rolle mit dem Ex-DSDS-Gewinner dargestellt wurde, desto eher zieht das Argument des Besuchers: Schließlich hat der Veranstalter dann seine vertragliche Leistung „Auftritt von Alexander Klaws“ ggf. nicht erbracht. Inwiefern der Besucher das volle Eintrittsgeld oder nur Teile davon zurückverlangen könnte, hängt davon ab, wieviel „Restleistung“ der Veranstalter erbracht hat, bzw. ob der Besucher vielleicht schon Teile der Show angeschaut und erst bspw. nach der ersten Hälfte die Show verlassen hat usw.

2.) Kann der verletzte Darsteller trotzdem seine Gage verlangen?

Das hängt primär von der vertraglichen Vereinbarung mit dem Veranstalter ab. Im Regelfall wird der Veranstalter versuchen, im Vertrag zu vereinbaren, dass die Gage nur zu zahlen ist, wenn der Künstler auch auf der Bühne steht.

Wird dieses Thema im Vertrag aber gar nicht angesprochen, könnte es für den Veranstalter durchaus unangenehm werden: Sofern man den Vertrag zwischen Veranstalter und Tarzan-Alex als Dienstvertrag (siehe § 611 BGB) einstufen würde, so sieht das Gesetz selbst dann eine Zahlungspflicht vor, wenn der Künstler unverschuldet nicht auftreten kann. Diese Situation findet sich auch im Arbeitsvertrag wieder (der Arbeitsvertrag ist ein Dienstvertrag!): Wenn der Arbeitnehmer unverschuldet erkrankt, hat er trotzdem Anspruch auf Lohnfortzahlung gegen seinen Arbeitgeber – auch und obwohl er gar nicht arbeitet und somit seine eigene Leistung nicht erbringt. Sollte also Alexander Klaws Arbeitnehmer des Veranstalter sein, so hat er einen Lohnfortzahlungsanspruch, da der im Arbeitsvertrag nicht ausgeschlossen werden darf.

Damit Sie als Veranstalter gar nicht erst in diese Problematik reinrutschen, sollten Sie mit dem Künstler stets vereinbaren, dass er nur seine Gage bekommt, wenn er auch auftritt.

3.) Hat der Veranstalter einen Schadenersatzanspruch gegen den erkrankten Künstler?

Auch hier kommt es zunächst einmal auf die vertraglichen Regelungen an. Maßgeblich ist aber immer, ob der Künstler den Nicht-Auftritt selbst verschuldet hat (siehe § 280 Abs. 1 BGB). Hat sich Alexander Klaws bspw. ungewollt verletzt, so muss er (natürlich) keinen Schadenersatz bspw. wegen Absage des Musicals zahlen. Teuer kann es den Künstler aber dann zu stehen kommen, wenn er sich aufgrund von Vorsatz oder Fahrlässigkeit verletzt und der Veranstalter dadurch einen Schaden erleidet.

4.) Darüber hinaus kann es im Einzelfall noch zu Problemen aus dem Arbeitsschutz kommen (dann müsste Alexander Klaws aber Arbeitnehmer gewesen sein).