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aus dem Eventrecht

Stellungnahme zu den neuen GEMA-Tarifen

Von Thomas Waetke 5. April 2012

Seitdem die GEMA neue Tarife angekündigt hat (siehe hier), läuft ein Proteststurm durchs Netz. „GEMA verliert Augenmaß“, titelt der DEHOGA Bundesverband in einer Pressemitteilung, und die Erhöhungen seien „definitiv existenzgefährdend“.

Mit diesem Beitrag wage ich es, eine Bresche für die GEMA zu schlagen. Damit heiße ich nicht alles gut und behaupte, die GEMA sei perfekt, aber ich versuche die Sachlage einmal nüchtern anzuschauen:

Dies möchte ich anhand einer Beispielsveranstaltung tun, die folgendermaßen aussieht:

  • Veranstaltungsart: Diskothek.
  • Fläche 599 Quadratmeter. Rechnerisch würden also, Rettungswege vorausge- setzt, ca. 1.200 Personen zeitgleich Platz finden.
  • Eintrittspreis: 8 Euro.

Nach dem neuen GEMA-Tarif müsste der Veranstalter 480 Euro an die GEMA zahlen.

Wenn wir davon ausgehen, dass Musik gespielt wird zwischen 22 Uhr und 2 Uhr morgens (geht ja normalerweise länger), dann ist das eine Spielzeit von 4 Stunden. Wenn jeder Song ca. 3 Minuten 30 Sekunden dauert, dann werden in den 4 Stunden 68 Musikstücke gespielt.

  • Bei GEMA-Gebühren von 480 Euro entspricht das dann Kosten von ca. 70 Cent pro Song.
  • Anders gerechnet: Bei angenommenen 600 Gästen über den ganzen Abend verteilt, entfallen auf jeden Gast Kosten der Musiknutzung von ca. 80 Cent pro Gast am ganzen Abend. Je mehr Gäste kommen, desto mehr verdient der Veranstalter und desto geringer werden im Verhältnis die GEMA-Gebühren.

Ich glaube nicht, dass ein wirtschaftlich denkender Komponist seinen Song für weniger 1 Euro Lizenzgebühr zur Verfügung stellen würde, inklusive seiner Kosten für Vertragsverhandlungen und Abrechnung.

Wenn weniger Gäste kommen, darf sich der Veranstalter nicht beschweren: Das ist das unternehmerische Risiko, dies lässt sich eben nicht auf andere abwälzen.

Und außerdem:

Warum sind die GEMA-Gebühren u.a. so hoch? Weil der Veranstalter eine große Fläche wählt und ein hohes Eintrittsgeld verlangt. Warum nimmt er eine Halle mit großer Fläche und ein hohes Eintrittsgeld? Weil er so viele Besucher wie möglich in die Halle ziehen und so viel Geld wie möglich verdienen möchte.

Wenn er nicht so viel GEMA zahlen will, kann er ja seinen Eintrittspreis senken – Da würden sich die Besucher sicherlich freuen, und noch dazu müsste der Veranstalter weniger an die GEMA zahlen… :twisted:

Es ist niemand gezwungen, Musik abzuspielen, die Geld kostet. Da aber die Diskothek typischerweise dazu betrieben wird, die Gäste mithilfe von Musik zum Tanzen und Konsumieren anzuregen, dann sollte

Natürlich muss man die GEMA nicht lieben. Und vielleicht gibt es bei der GEMA vieles, was man anders oder besser machen könnte.

Wem die neuen Tarife nicht passen, der kann gerichtlich dagegen vorgehen. Es ist ja schließlich nicht so, dass die GEMA machen kann was sie will und ihre Tarife jeder Kontrolle entzogen wäre.

Außerdem: Wenn ein einfacher DJ am Abend 500 Euro kassiert, dafür dass er ein paar Musikstücke sortiert hintereinander abspielt (die er gar nicht selbst komponiert hat), warum sollen dann die Komponisten nicht jeweils 1 Euro für ihren Song bekommen dürfen (wobei er ja nicht mal diesen 1 Euro bekommt, da die GEMA noch Gebühren einbehält)? Über die 500 Euro regt sich der Diskothekenbetreiber nicht auf; aber wenn 68 Komponisten ebenfalls ca. 500 Euro (insgesamt, für alle) haben wollen, dann schon regt er sich auf?

Unter dem Strich: So furchtbar schlimm finde ich das gar nicht.