News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Stagediving: US-Band muss 1,4 Mio Dollar zahlen

Von Thomas Waetke 16. Februar 2014

Die US-Ska-Band Fishbone muss an eine Besucherin eines Konzertes vor vier Jahren umgerechnet ca. 1 Million Euro Schmerzensgeld zahlen: Bei dem Konzert sprang der Frontmann von der Bühne ins Publikum und verletzte dabei die Frau schwer, ein Bundesgericht verurteilte nun die Band. Das Oberlandesgericht Hamm hatte einen ähnlich Fall einmal genau gegensätzlich entschieden:

In dem Fall vor dem OLG Hamm wurde eine Besucherin vom einen Stagediver verletzt. Dabei wurde der Frau ihr Platz recht weit vorne vor der Bühne gleich doppelt zum Verhängnis: Einmal, als der Stagediver auf sie sprang, und dann, weil das Gericht der Auffassung war: Selbst schuld, wer sich da vorne hinstellt. In den Worten des Oberlandesgerichts hieß das:

„…Dies ist ein durchaus gefährlicher Bereich. Gerade nah an der Bühne ist die Stimmung am ausgelassensten und steigert sich im Laufe des Konzertes noch. Dies kann von der Klägerin im Verlauf des Abends nicht unbemerkt geblieben sein. Nahe der Bühne ist die Gefahr besonders hoch, dass es zu Vorfällen kommt, die körperliche Verletzungen nach sich ziehen können. Wer die Steigerung und das Aufheizen der Stimmung im Laufe des Konzertes mitbekommt und sich gleichwohl bis zum Höhepunkt des Konzertes in vorderster Front aufhält, der setzt sich selbst der Gefahr mit aus und muss sich dies bei Schadenseintritt entgegenhalten lassen.“

Und damit hatte das OLG Hamm der verletzten Besucherin eine Teilschuld an ihren Verletzungen zugeschrieben.

Das Problem sehe ich darin:

Das OLG Hamm „bestraft“ (im Sinne einer Mitschuld bei der Verletzung) den Konzertgänger, wenn er nicht sofort verschwindet, wenn die Stimmung steigt. Dies ist m.E. etwas zuviel verlangt, vor allem, wenn man berücksichtigt, dass die Besucherin ja nicht von einem neben ihr stehenden tanzenden Besucher verletzt wurde, sondern von einem daher fliegenden Stagediver: Ich könnte nachvollziehen, wenn dem Besucher eine Mitschuld gegeben wird, der im Tumult stehen bleibt, und er was vom Nachbarn auf die Nase kriegt.

Aber muss ich damit rechnen, dass ein Mensch von der Bühne auf mich fliegt? Das geht dann wohl doch etwas zu weit, aber damals hat man mich ja nicht um meine Meinung gefragt… ;-)