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164/17 Sprachprobleme sind Ursache für tödlichen Unfall

164/17 Sprachprobleme sind Ursache für tödlichen Unfall

by 28. Juni 2017

Dramatische Umstände führten 2015 zum Tod einer 17-jährigen Schülerin einer Reisegruppe aus den Niederlanden in Spanien. Die Schülerin meldete sich für einen Bungee-Sprung von einer Brücke in Cabezón de la Salaus an. Der zuständige Mitarbeiter der Firma, die das Bungee-Springen angeboten hatte, befestigte das Sprungseil fälschlicherweise zuerst an der Schülerin, und rief dann in schlechtem Englisch mit spanischem Akzent der Schülerin zu: „no jump“. Die Schülerin verstand offenbar „now jump“ und sprang – während das Seil noch gar nicht an der Brücke befestigt war. Sie schlug ungebremst ca. 40 Meter tiefer auf dem Boden auf.

Nun kam im Gerichtsverfahren in Spanien außerdem heraus: Bungee-Sprünge von dieser Brücke waren eigentlich verboten. Außerdem hätte die damals 17-jährige nach spanischem Recht gar nicht springen dürfen; niemand hatte überprüft, ob sie schon über 18 Jahre alt war. Der Mitarbeiter sprach nur schlecht englisch und konnte auch kein niederländisch.

Vorgeschrieben ist auch die Formulierung „do not jump“, die der Mitarbeiter vor Ort aber offenbar nicht beherrscht hatte. Die Richter warfen dem Anbieter vor, dass er Personal beschäftigt hatte, das nicht ausreichend die Sprache der Touristen sprechen konnten, hier zumindest englisch.

Der Mitarbeiter und Inhaber des Bungee-Sprung-Anbieters wurde nun von einem Gericht der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden, ihnen drohen bis zu vier Jahren Haft.

Sprach-Anforderungen bei gefährlichen Aktionen

Das Thema Sprache spielt oft eine Rolle:

Tatsächlich sollte ein Veranstalter bzw. Anbieter von actionreichen und damit auch risikobelasteten Spaßaktionen dafür sorgen, dass die Teilnehmer den Leiter oder Guide auch verstehen. Das kann bspw. auch über die Teilnahmebedingungen geregelt werden, dass dort vorgegeben wird, dass der Teilnehmer eine bestimmte Sprache beherrschen muss. Dann aber muss auch aus den AGB deutlich hervorgehen, warum: Nicht, dass der Teilnehmer denkt, er solle die Sprache nur deshalb beherrschen, um sich beim Essen mit den anderen Teilnehmern unterhalten zu können – und er so diese Anforderung ggf. nicht hinreichend ernst nimmt.

Treffen Beschäftigte aus verschiedenen Ländern aufeinander (z.B. beim Aufbau) sollte auch im Vorhinein eine Produktionssprache vereinbart werden.

Lesen Sie dazu auch meinen Beitrag aus dem Arbeitsrecht:

43/15 Vertrag unterschreiben, aber nichts verstanden?

 

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