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aus dem Eventrecht

Spaßopfer nimmt sich das Leben

Von Thomas Waetke 9. Dezember 2012

Eigentlich sollte ja alles nur ein Spaß ein, als zwei Radiomoderatoren mit verstellter Stimme sich als Queen und Prinz Charles ausgaben und eine Krankenschwester hereinlegten. Dieser Spaß scheint nun ein tragisches Ende gefunden zu haben:

Zwei Radiomoderatoren eines australischen Senders hatten sich als Queen und Prinz Charles mit verstellter Stimme ausgegeben und sich nach dem Gesundheitszustand von Herzogin Kate erkundigt, die wegen ihrer Schwangerschaft gerade in diesem Krankenhaus war. Die Krankenschwester glaubte tatsächlich, die Queen am Telefon zu haben und gab bereitwillig Auskunft. Offenbar hat sich die Krankenschwester nun selbst umgebracht, jedenfalls bestätigte das Krankenhaus den Tod der Krankenschwester.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Schon krass… aber wenn wir den Vorgang nüchtern juristisch betrachten, kann man den Moderatoren zumindest keinen Tötungsvorwurf machen: Dass ein Opfer eines Trickanrufes Selbstmord begeht, dürfte nicht vorhersehbar gewesen sein. Für eine Bestrafung wegen fahrlässiger Tötung ist aber erforderlich, dass der Täter den Tod zumindest hätte voraussehen können. Dies ist oftmals bei extremen Eskalationen zu verneinen.

Lesen Sie zur Vorhersehbarkeit beim Tötungsvorwurf auch unseren Beitrag Das Beste gewollt: Tauziehen endet in der Katastrophe.

Abgesehen davon:

Scherzanrufe oder auch heimliche Aufnahmen mit versteckter Kamera im Privatbereich sind schon für sich gesehen eine Straftat:

  • Es ist grundsätzlich strafbar, heimlich das gesprochene Wort aufzunehmen (siehe § 201 Strafgesetzbuch). Es gibt davon nur wenige Ausnahmen, bspw. wenn mithilfe eines Abhörgerätes ein geplanter Bombenanschlag vereitelt werden kann.
  • Es ist strafbar, eine Person ungefragt in ihrer Wohnung zu filmen (siehe § 201 a StGB).
  • Es ist auch verboten, ungefragt eine Person zu filmen, wenn sie nicht gerade Teil einer großen Menschenmenge ist (siehe unseren Beitrag hier).

Selbst wenn der Scherzanrufer hinterher aufklärt, dass der Anruf aufgenommen wurde, ist der Straftatbestand schon erfüllt. Das gilt umso mehr, wenn der Anruf live ausgestrahlt wird.

Achtung: Auch Filmaufnahmen von Besuchern einer Veranstaltung sind nicht ohne weiteres zulässig, selbst wenn der Veranstalter bspw. über einen Aushang auf die Filmaufnahmen hinweist.