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aus dem Eventrecht

Sicherungsmaßnahmen bei einem Triathlon

Von Thomas Waetke 16. April 2013

Bei einem Triathlon war ein Teilnehmer mit seinem Fahrrad über eine Bodenschwelle gefahren und dabei schwer gestürzt. Er verklagte den Veranstalter wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflichten auf Schadenersatz. Das Landgericht Heilbronn hat die Klage nun abgewiesen. Was war passiert?

Das Radrennen verlief über eine normale Straße. An einem längeren geraden Stück gab es Bodenschwellen, um den normalen Fahrzeugverkehr abzubremsen. Die Schwellen verliefen dabei aber nicht über die ganze Straßenbereite. Der Veranstalter hatte diese ohnehin schon weiß gestrichenen Schwellen mit grünem Klebeband markiert. Der Teilnehmer verlor beim Überfahren die Kontrolle über sein Rad und stürzte.

Er machte im Prozess geltend, dass der Veranstalter deutlicher hätte vor der Gefahr warnen müssen.

Hierzu stellte das Landgericht Heilbronn zunächst fest, dass der Veranstalter tatsächlich grundsätzlich verkehrssicherungspflichtig sei und dabei das Erforderliche und Zumutbare unternehmen müsse, um Schäden zu verhindern. Auf der anderen Seite könne er dabei von einem durchschnittlich aufmerksamen Teilnehmer ausgehen.

Mit Blick auf den Wettbewerb hob das Gericht hervor: „Da das Augenmerk von Wettkampfteilnehmern – hier konkret den Teilnehmern an dem Radwettbewerb des Triathlons – in erster Linie der Sportausübung gilt und ihre Aufmerksamkeit erfahrungsgemäß darunter leidet, sind an die Sicherheit der Rennstrecke vergleichsweise hohe Anforderungen zu stellen.“

Und weiter: „Können bestimmte Gefahrenquellen schwere Verletzungen verursachen, kann der Ausrichter einer Sportveranstaltung gehalten sein, diese Gefahrenquellen auch dann auszuschalten, wenn diese für die Teilnehmer erkennbar sind. Dies setzt aber neben der tatsächlichen Möglichkeit und der wirtschaftlichen Vertretbarkeit einer solchen Sicherungsmaßnahme voraus, dass es sich um besonders unfallträchtige Gefahrenpunkte handelt.“

Das Landgericht sah in der Schwelle aber keinen „besonders unfallträchtigen Gefahrenpunkt“: Bodenschwellen seien immer wieder im Straßenbild anzutreffen, außerdem war die Straße gerade und die Schwellen von weitem zu sehen. Zudem hätte der Teilnehmer problemlos um die Schwellen herumfahren können, da sie nicht die ganze Straßenbreite einnahmen.

Und: Beim Triathlon ist das Windschattenfahren verboten, d.h. der Teilnehmer war zum Zeitpunkt des Unfalls „allein“, d.h. er fuhr nicht in einem dichten Pulk anderer Radfahrer, in dem seine Sicht beeinträchtigt war und er nicht einfach so ausweichen hätte können.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Das Landgericht hat glücklicherweise die Besonderheiten bei einem Triathlon im Vergleich zu sonstigen Radrennen erkannt und bewertet: Nicht jede Veranstaltung ist gleich, weshalb auch die Anforderungen an die Sicherheitsmaßnahmen unterschiedlich sein können.

Der Veranstalter hatte übrigens unmittelbar nach dem Sturz Pylonen auf die Straße gestellt und Ordner positioniert, die den anfahrenden Teilnehmern signalisiert hatten, die Schwellen zu umfahren.

Durch diese zusätzlichen, neuen Sicherheitsmaßnahmen hatte der Veranstalter sich aber kein Eigentor mit Blick auf den Unfall geschossen: Das Landgericht Heilbronn hat zurecht darauf hingewiesen, dass es sich bei diesen neuen spontanen Maßnahmen nur um eine verständliche Reaktion auf den Unfall gehandelt hatte – obgleich die Sicherungspflichten auch schon vorher ausreichend gewesen waren.

Ganz wichtig: Maßgeblich war für das Gericht auch die Tatsache, dass es auf früheren Veranstaltungen noch keinen Unfall an diesen Schwellen gegeben hatte. Der Veranstalter war also nicht gehalten, diese Stelle aufgrund schlechter Erfahrungen aus den früheren Veranstaltungen als besonders unfallträchtigen Gefahrenpunkt einzustufen.