News + Aktuelles

aus dem Eventrecht
Sicherheitsrisiko Kinderwagen?

Sicherheitsrisiko Kinderwagen?

Von Thomas Waetke 4. April 2013

Auf dem Plärrer, einem Volksfest in Augsburg, haben Polizeibeamte eine Mutter mit ihrem Zwillingskinderwagen vom Gelände verwiesen, da er zu groß sei. Die Stadt will nun prüfen, ob das Verhalten der Beamten rechtens war.

Das Argument: Wenn der Platz zu voll sei, sei es mit einem Kinderwagen zu gefährlich. Für wen? Für die Kinder in dem Kinderwagen oder für Besucher?

Grundsätzlich tragen die Eltern die Verantwortung für das Wohl ihrer Kinder. Wenn die Mutter meint, ihr Kind auf eine gut besuchte Veranstaltung nehmen zu müssen, dann ist das zunächst einmal ihre Entscheidung. Hier ist also fraglich, inwieweit sich die Polizei – zumal es erst 16 Uhr war – sich hier überhaupt hätte einmischen dürfen.

Das Argument, möglicherweise könnten Besucher gefährdet sein (bspw. in einer Notsituation) greift m.E. nicht unbedingt: Denn dann müssten auch dicke Menschen oder Menschen mit einer Gehbehinderung aus der Veranstaltungsfläche verwiesen werden. Ausnahmen kann es ggf. bei Veranstaltungen geben, bei denen es stark gefüllte Besucherströme gibt. Aber auch hier wird man die Hauptverantwortung wohl bei den Eltern suchen müssen. Zumal: Eigentlich müssten ja schon Betreiber und Veranstalter dafür sorgen, dass es nicht „übervoll“ wird. Natürlich kann es an bestimmten Stellen Engpässe geben, weil ausgerechnet hier sich viele Besucher aufhalten. Im Ganzen aber sollte es schon allein aufgrund der von den Verantwortlichen zu begrenzenden Gesamtpersonenzahl noch immer ausreichend freie oder ausgedünnte Flächen geben, in denen sich eine Mutter mit Kind(erwagen) problemlos bewegen kann.

Will sich ein Veranstalter nicht auf Diskussionen einlassen, kann er per Hausordnung bzw. Satzung o.Ä. bestimmen, dass Kinderwagen nicht mitgenommen werden dürfen. Dies müssten dann aber grundsätzlich bei Vertragsschluss (bei einem eintrittsfreien Volksfest spätestens an den Eingängen) kommuniziert werden. Die Stadt Augsburg hatte noch bis vergangenes Jahr eine solche Regel, wonach ab 20 Uhr kein Kinderwagen auf das Gelände gebracht werden darf.

Das Problem ist nicht ohne weiteres übertragbar auf den Umgang mit Rollstuhlfahrern in der Versammlungsstätte: Dort geht es um die Evakuierung des Menschen im Rollstuhl, der nicht einfach die Treppe heruntergehen kann. Bei einem Kinderwagen kann die Mutter im Evakuierungsfall ohne Weiteres das Kind auf den Arm nehmen und die Treppe hinuntergehen.

Lesen Sie dazu auch meine folgenden Beiträge:

Rollstuhlfahrer ein Sicherheitsrisiko?

Rollatoren in der Versammlungsstätte

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Kleiner Bub heult: © Gleam - Fotolia.com