News + Aktuelles

aus dem Eventrecht
Sicherheit: Ein Kommunikationsproblem?

Sicherheit: Ein Kommunikationsproblem?

Von Thomas Waetke 8. September 2015

SPIEGEL Online hat einen interessanten Artikel veröffentlicht zum Klimawandel: Voreingenommene Journalisten, übertreibende Politiker und arrogante Forscher führten dazu, dass man der Klimaforschung nicht sonderlich trauen dürfe. Nach dem Hurrikan „Katrina“ vor 10 Jahren in den USA haben Forscher behauptet, dass Stürme heftiger würden, auch der UNO-Klimarat behauptete eine Zunahme der Intensität. Nun kommt heraus: „Die Klimaforschung hat ein Kommunikationsproblem“, so der SPIEGEL, da sowohl Forscher als auch Journalisten ihre Wissenslücken nicht offenbaren und Unsicherheiten als gesicherte Erkenntnisse verkaufen. Der Klimaforscher sagt A; der Medienforscher empfiehlt dem Klimaforscher, statt A lieber B zu sagen. Der Sozialforscher wiederum plädiert für C: Unsicherheiten sollten deutlich(er) hervorgehoben werden.

Bemerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Irgendwie kommt mir das bekannt vor: Auch im deutschen Recht oder auch in der Veranstaltungssicherheit gibt es viele Bereiche, die wissenschaftliches Neuland sind, eine Armee von Beratern und Unternehmen macht sich über das Thema her – und oft genug ohne entsprechendes Wissen, Erfahrung und empirische Erhebungen.

Oft lässt es sich gar nicht vermeiden, dass man „im Nebel herumstochert“, weil eben gesetzliche Grundlagen oder gesicherte Erkenntnisse fehlen. Nur: Das muss der Kunde natürlich wissen; keinesfalls darf eine Leistung oder eine Maßnahme als notwendig angepriesen werden, wenn die Notwendigkeit eben nicht auf einer gesicherten bzw. verlässlichen Grundlage beruht.

Folgendes gilt grundsätzlich zu beachten:

  • Dem Kunden muss der „sicherste Weg“ empfohlen werden, wenn es mehrere Alternativen gibt;
  • Der Kunde muss darüber aufgeklärt werden, wenn die Empfehlung auf einer eigenen Einschätzung und nicht auf objektiven Grundlagen beruht;
  • Ist etwas nicht notwendig/erforderlich, darf es nicht als notwendig/erforderlich angepriesen werden; fehlt zur Einschätzung der Notwendigkeit die erforderliche Erfahrung oder Grundlage, muss der Kunde darauf hingewiesen werden;
  • Fehlt die eigene Erfahrung, kann oftmals auch eine „Wissensgrenze“ erreicht sein; das ist dann aber der Zeitpunkt, ab dem verlangt wird, dass man nun einen Fachmann/eine Fachfrau hinzuzieht, die die fehlende Erfahrung/das fehlende Wissen kompensieren kann;
  • Behauptungen „ins Blaue hinein„, weil man glaubt, die Behauptung werde schon richtig sein, können einen Schadenersatzanspruch auslösen (und im Vertragsrecht Willenserklärungen anfechtbar machen, siehe § 123 BGB).

Merke: Die Expertin/den Experten erkennt man daran, dass sie/er weiß, wann es Zeit ist zu sagen: „Das weiß ich nicht“.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Irrer Blick: © Antonio Gravante - Fotolia.com