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aus dem Eventrecht

Shakira bricht vorzeitig Konzert ab – wegen Freund

Von Thomas Waetke 14. Juni 2011

Shakira hat ein Konzert in Graz (Österreich) bereits nach 60 Minuten beendet, um rechtzeitig vor Beginn des Nachtflugverbotes noch nach Frankfurt fliegen zu können. Denn dort wollte sie die Nacht mit ihrem Freund verbringen.

Die 15.000 Fans mussten zuvor schon einen verspäteten Termin hinnehmen, damit aber nicht genug: Ein paar Songs wurden dann von der CD abgespielt, nachdem Shakira schon die Halle verlassen hatte.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Wenn wir mal unterstellen, dass Shakira ihre frühe Abreise nicht mit dem Veranstalter abgesprochen hatte, dann wäre das eine traurige Leistung – aber manche Stars haben solche Eigenarten offenbar nötig.

Blöd für den Veranstalter: Er ist einem unnötigen Risiko ausgesetzt, aufgrund der Zickerei eines Künstlers Ärger mit seinen Besuchern zu bekommen, da diese ja für das vollständige Konzert bezahlt haben.

Letztlich mag sich der Veranstalter vertraglich helfen können, jedoch muss er sich auch erst einmal trauen.

1.) Veranstalter und Künstler haben eine Regelung im Vertrag getroffen

Dann ergeben sich die Ansprüche aus dem Vertrag. Üblich ist aber allenfalls, eine Regelung über die Spieldauer zu treffen und nicht darüber, was passiert, wenn der Künstler die Bühne vorzeitig verlässt. Über die Regelung zur Spieldauer wird der Veranstalter bspw. dann keinen Schadenersatz bekommen können, wenn der Künstler nur unwesentlich von der vereinbarten Dauer abweicht.

2.) Keine explizite Regelung im Vertrag

Findet sich dazu nichts im Vertrag, hängt es davon ab, ob der Vertrag als Dienstvertrag oder Werkvertrag einzustufen ist. Ein wesentlicher Unterschied: Beim Dienstvertrag gibt es keine Gewährleistung, beim Werkvertrag hingegen schon (z.B. Minderung der Gage).

Ungeachtet der Gewährleistung kann der Veranstalter Schadenersatz geltend machen (z.B. aus § 280 Abs. 1 BGB). Aber auch hier gilt: Weicht der Künstler nur unwesentlich von der vereinbarten Spieldauer ab, gibt es keinen Schadenersatz.

Außerdem: Der Veranstalter muss auch einen Schaden haben und ihn beweisen können. Unmut von Besuchern ist leider schwer in Zahlen zu bemessen, sofern kein Besucher das Eintrittsgeld zurückfordert (und einen Anspruch auf Rückerstattung hat, bspw. wenn das Konzert sehr frühzeitig abgebrochen wurde).

3.) Verhältnis Veranstalter – Besucher

Ähnlich ist es im Vertrag zwischen Veranstalter und Besucher: Nur unwesentliche Abweichungen der üblichen Spieldauer lösen noch keinen Schadenersatzanspruch oder Rückerstattungsanspruch des Besuchers aus.

Was „wesentlich“ und „unwesentlich“ mit Blick auf die verkürzte Spieldauer ist, müsste ein Gericht klären, dies kann man nicht pauschal sagen. Spielt der Künstler aber (offenbar wie Shakira) statt 90 Minuten nur 60 Minuten, dann wäre das m.E. eine wesentliche Verkürzung.