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aus dem Eventrecht

Security will Streit schlichten: Koma

Von Thomas Waetke 7. August 2013

In der Nähe des Trebur Open Air (Hessen) wurde ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes schwer verletzt, als er außerhalb des Geländes einen Streit schlichten wollte, nachdem er von einem Jugendlichen über eine Schlägerei informiert wurde, der zuvor Opfer von Schlägern wurde. Ein Unbekannter hat ihn offenbar mit einem Gegenstand auf den Kopf geschlagen, im Krankenhaus wurde er in ein künstliches Koma versetzt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Verlässt der Mitarbeiter seinen Arbeitsbereich, verlässt er damit auch den Geltungsbereich seines Unfallversicherungsschutzes als Arbeitnehmer, weil es nicht zum Aufgabenbereich eines Security gehört, in eine Schlägerei einzugreifen, die gar nichts mit der Veranstaltung zu tun hat.

Allerdings sieht das Gesetz auch vor, dass Helfer unter gewissen Umständen gesetzlich unfallversichert sind – denn der Helfer, der sich bei der Hilfe verletzt, soll nicht noch dadurch bestraft werden, dass er dabei unversichert ist.

So sieht § 2 Abs. 1 Nr. 13 SGB VII vor, dass auch versichert ist, wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not Hilfe leistet oder einen anderen aus erheblicher gegenwärtiger Gefahr für seine Gesundheit rettet.

Das Problem in dem eingangs geschilderten Fall: Der Sicherheitsmitarbeiter wurde von einem Opfer angesprochen, das kurz zuvor verprügelt worden war, und ist dann zu der Gruppe gegangen, um den noch schwelenden Streit zu schlichten.

Es kann also durchaus sein (man müsste die Vorkommisse exakt kennen, um eine Beurteilung vornehmen zu können), dass es hier an der Voraussetzung „gegenwärtig“ fehlt: Denn die Gefahr bestand für den Jugendlichen ja nicht mehr. Dann wäre der Mitarbeiter aber auch nicht (gesetzlich) unfallversichert, wenn nicht andere Personen noch akut gefährdet waren, denen der Security helfen wollte.

Grundsätzlich gilt aber: Wer als Nothelfer einem Opfer einer Schlägerei zu Hilfe kommt, ist gesetzlich unfallversichert. Das gilt auch dann, wenn der Nothelfer den Streit schlichten kann, die Schlägerei also endet – und der Helfer kurze Zeit später im Rahmen eines Racheaktes angegriffen werden sollte.