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aus dem Eventrecht

Schwerer Unfall bei Osterfeuer

Von Thomas Waetke 1. April 2013

Bei einem Osterfeuer in Bad Neustadt (Bayern) sind am Sonntag zwei Personen schwer verletzt worden, als das über 16 Meter hohe brennende Holzkreuz umfiel. Der Veranstalter hatte 20 Meter um das Kreuz Bierbänke aufgestellt, hinter denen sich die Zuschauer aufhielten. Die beiden verletzten Zuschauer kamen erst kurz vor dem Umfallen zu dem Spektakel hinzu und haben offenbar die aufgestellten Bierbänke nicht als Absperrung wahrgenommen.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Tatsächlich dürfte es dem Veranstalter schwer fallen, das Gericht davon zu überzeugen, dass die Bierbänke eine ausreichende und vor allem auch ausreichend erkennbare Absperrung gewesen sind.

Das Gericht muss dann die Frage klären, ob für einen durchschnittlich aufmerksamen Besucher eine aufgestellte Bierbank als Absperrung ersichtlich war.

Da Bierbänke vornehmlich zum Sitzen gedacht sind, und es dem Veranstalter eines Osterfeuers auch unschwer möglich sein dürfte, den Schutzkreis bspw. mit Flatterband abzusperren, ist also durchaus fraglich, ob der Veranstalter das Erforderliche und Zumutbare unternommen hat, um Schaden von den Zuschauern fernzuhalten. Umgekehrt muss auch die Frage geklärt werden, ob die Zuschauer die Gefahr nicht hätten selbst erkennen können müssen: Je mehr nämlich der Besucher die Gefahr erkennen und ihr ausweichen kann, desto geringer sind die Anforderungen an den Veranstalter. Naturgemäß fällt es dem Menschen aber schwer, die Höhe richtig einzuschätzen; es kann also sein, dass die Besucher gar nicht damit haben rechnen müssen, dass sie einen solch großen Sicherheitsabstand einhalten müssten – geschweige denn, dass das Holzkreuz umfällt.

Zur Frage der Geeignetheit einer Absperrung:

Das Oberlandesgericht Brandenburg hatte einmal die Frage zu entscheiden, ob fünf Pylonen als Absperrung erkennbar waren, ohne dass sich zwischen den Pylonen bspw. ein Flatterband befunden hatte. Hier hatte das OLG Brandenburg entschieden, dass mehrere nebeneinander stehende Pylonen im Regelfall als Absperrung wahrgenommen würden (siehe unseren Beitrag hier).

Anders kann die Funktion der Pylonen zu bewerten sein, wenn sie auf einem Sportplatz aufgestellt werden: Das Amtsgericht Westerstede hatte diesbezüglich entschieden, dass Pylonen auf einem Sportplatz nicht unbedingt die Funktion einer Absperrung haben, sondern regelmäßig für das Training eingesetzt würden (siehe unseren Beitrag hier).