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167/18 Schule schwänzen und Veranstaltung

167/18 Schule schwänzen und Veranstaltung

by 28. Juni 2018

Was hat Schulschwänzen mit Veranstaltungen zu tun?

Die Polizei hat in Bayern hat kurz vor dem Ferienstart Familien am Flughafen Memmingen kontrolliert – Ordnungswidrigkeit “Schulschwänzen” – und tatsächlich einige Familien gefunden, die zu früh in den Urlaub fliegen wollten und ihr schulpflichtiges Kind unentschuldigt haben fehlen lassen.

Der Hintergrund: Wenn man kurz vor Ferienbeginn in den Urlaub startet, kann das für eine Familie schnell mehrere hundert Euro Ersparnis bringen, weil der Urlaub außerhalb der offiziellen Ferienzeit oftmals deutlich günstiger ist.

Die Polizei erntet mit ihrer Aktion eine Menge Kritik: Es geht los von der einfachen Argumentation „Das ist übertrieben“ bis hin zum Heraufbeschwören des Bildungsuntergang: Urlaub ist Bildung, und arme Familien würde man so vom Urlaub fernhalten, weil sie sich den Urlaub zu Ferienzeiten nicht leisten könnten. Der Staat würde mit derlei Aktionen die Armen bestrafen.

Parallele zur Veranstaltung?

Haben Sie die Parallele zur Veranstaltung schon gefunden?

Arbeitszeit, Datenschutz, Verkehrssicherung, Unfallverhütung… würde man alle Vorschriften einhalten wollen, kann man die Veranstaltung ja nicht machen. Es sind zu viele Vorschriften. Es ist alles übertrieben.

Dahinter steckt ja nichts anderes als die Idee, selbst darüber bestimmen zu wollen, was man für richtig und falsch hält, was wichtig ist oder unwichtig.

Diese anarchistische Geisteshaltung nimmt für sich in Anspruch, selbst über Recht und Ordnung zu entscheiden (bezeichnenderweise ist oftmals derjenige, der sich diese Freiheit herausnimmt, aber selbst schnell dabei, ähnliches Verhalten insbesondere seiner Wettbewerber zu beanstanden). Der Veranstalter möchte gerne selbst über einzuhaltende Vorschriften disponieren und entscheiden:

Das Problem: In einem rein einseitigen Verhältnis mag das funktionieren – der Mensch entscheidet, sich selbst etwas anzutun. Daher sind Taten gegen sich selbst im Regelfall auch nicht gesetzlich reglementiert. Das Problem beginnt aber dann, wenn Dritte mit einbezogen werden. Bei der Veranstaltung sind das Arbeitnehmer, Dienstleister oder Besucher. Und diese werden typischerweise nicht in die Entscheidung des Verantwortlichen einbezogen, welche Vorschriften er aus welchem Grund zu missachten gedenkt. Sinn und Zweck einer Vorschrift ist aber u.a. auch, ein vereinheitlichtes Schutzniveau zu schaffen, auf das sich Jedermann verlassen darf.

 

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  • Roter Pfeil führt aus Labyrinth: © ra2 studio - Fotolia.com