Scheinselbständigkeit in der Eventbranche

Wann spricht man von Scheinselbständigkeit?
Scheinselbständigkeit in der Eventbranche

Scheinselbständigkeit in der Eventbranche: Der Freelancer bzw. der Freie Mitarbeiter, der in Wahrheit ein Arbeitnehmer ist, ist scheinselbständig. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Freie Mitarbeiter das weiß oder will: Sobald er objektiv gesehen bestimmte Kriterien erfüllt, gilt er als Scheinselbständiger.

Wenn man sich die folgenden Kriterien anschaut, wird man feststellen: Scheinselbständigkeit ist kein Randproblem, sondern kommt öfter vor, als man denkt.

Folgende Kriterien können ein Indiz für die Scheinselbständigkeit sein:

  • Der “Freie” ist weisungsgebunden.
  • Er trägt kein wirtschaftliches Risiko.
  • Er tritt auf wie ein Arbeitnehmer.
  • Er muss Urlaub beantragen.
  • Über ihn wird eine Personalakte geführt.
  • Er stellt keine Rechnung.
  • Er bekommt auch Geld, wenn er krank ist.
  • Er bekommt so wenig Honorar, dass er sich davon üblicherweise keine Versicherungen leisten kann.
  • Er hat keine eigenen Betriebsmittel.
  • Er trägt die uniforme Kleidung des Auftraggebers; der Auftraggeber möchte, dass er als Mitarbeiter seines Unternehmens erkannt wird.
  • Er hat eine Visitenkarte des Unternehmens, ohne dass darauf “Freier Mitarbeiter” o.Ä. vermerkt ist.
  • Er wird zu Betriebsfeiern eingeladen.
  • u.v.m.

Scheinselbständigkeit in der Eventbranche

Die Folgen für den Auftraggeber, der dann in die Rolle des Arbeitgebers hineinrutscht, sind ganz erheblich:

  • Der “Ex-Freie” gilt als Arbeitnehmer, er genießt ggf. vollen Kündigungsschutz, hat Lohnansprüche, Urlaubsansprüche usw.
  • Der neue Arbeitgeber muss Sozialversicherungsbeiträge plus Säumniszuschläge nachbezahlen.
  • Der neue Arbeitgeber muss ggf. Steuern nachzahlen.
  • Außerdem macht sich der Arbeitgeber auch zweifach strafbar – dies betrifft bspw. den Geschäftsführer: Einmal wegen Steuerverkürzung, einmal wegen Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen (§ 266a StGB). Der Scheinselbständige kann sich ggf. strafbar machen wg. Anstiftung, Beihilfe oder Mittäterschaft.

Unterschieden werden muss zwischen dem Arbeitnehmer, dem Freien Mitarbeiter und der regulären Beauftragung anderer (Sub-)Unternehmer:

Beispiel 1: Arbeitgeber A stellt einen Arbeitnehmer fest ein.

Beispiel 2: Tontechniker T macht sich nach seiner Ausbildung selbständig und gründet eine kleine Firma. Er wird bei Bedarf vom Veranstalter V beauftragt, ihn bei Veranstaltungen zu unterstützen.

Beispiel 3: Gastronom G gründet eine Firma und stellt 5 Mitarbeiter fest an. Er erhält vom Veranstalter V den Auftrag, das Catering für die Aufbau- und Abbauzeiten für die Helfer zu übernehmen.

Soweit ist das alles kein Problem. Kritisch wird es in Mischfällen, wenn die Arbeitnehmer des beauftragten Unternehmens dem Auftraggeber direkt helfen sollen:

Beispiel 4: Der Veranstalter V beauftragt das Sicherheitsunternehmen S. S soll den Ordnungsdienst auf der Veranstaltung übernehmen, und außerdem Helfer für den Aufbau stellen.

Bei der Übernahme der Ordnungsdienstleistungen wird im Regelfall ein ganz normaler Auftrag bzw. Dienstvertrag gegeben sein.

Interessant wird dagegen der zweite Teil des Auftrages: Hier sollen Arbeitnehmer des Sicherheitsunternehmens dem Veranstalter beim Aufbau helfen. Je nach Konstellation kann es sich dabei handeln um

  • einen ganz normalen Auftrag/Dienstvertrag, oder
  • eine Arbeitnehmerüberlassung.

Keinesfalls sollte ein Auftrag “blind” erteilt werden, ohne dass sich der Auftraggeber im Vorfeld Gedanken macht, welche Auswirkungen sein Auftrag haben könnte. Die Folgen einer Scheinselbständigkeit in der Eventbranche oder einer unzulässigen Arbeitnehmerüberlassung sind nicht nur unnötig, sondern auch kostspielig. Im Veranstaltungsrecht spielen solche Überlegungen eine wichtige Rolle.

Abgrenzung zur arbeitnehmerähnlichen Person

Ist der Selbständige wirklich selbständig, so kann er eine sog. arbeitnehmerähnliche Person sein. Mehr dazu hier.

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