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aus dem Eventrecht

Salzstangen-Attentäter gesucht

Von Thomas Waetke 27. Juni 2013

Eine Besucherin eines Volksfestes in der Nähe von Bad Tölz (Bayern) wurde bei einem feigen Anschlag mit einer Salzstange verletzt – und zwar so schwer, dass sie mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden musste. Zu der kuriosen Verletzung kam es, als ein Unbekannter mit einer Salzstange an dem Ohr der Besucherin herumspielte. Ein anderer Unbekannter wollte ihr wohl geholfen haben und schnippste die Salzstange durch. Offenbar durch diesen Druck bohrte sich ein Teil der Salzstange unglücklich in das Ohr der Besucherin. Die Polizei sucht nun nach den beiden Männern.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Der Fall ist juristisch was ganz besonderes: Einer fummelt mit einem an sich völlig ungefährlichen Gegenstand am Ohr des „Opfers“ herum. Ein anderer will dem Opfer eigentlich nur helfen und macht etwas, was an sich auch völlig ungefährlich ist: Er schnippst eine Salzstange entzwei. Dabei wird nun das Salzstangen-Opfer verletzt.

Es ist nun fraglich, welcher der beiden Männer verantwortlich ist: Der „Bohrer“ oder der „Schnippser“?

Wenn überhaupt kommt eine fahrlässige Körperverletzung in Betracht. Allerdings wird man beiden „Tätern“ keinen direkten Vorwurf machen können: Die Handlung des „Bohrers“ war für sich gesehen ungefährlich – sie wurde erst gefährlich, als sich der „Schnippser“ eingemischt hat; allerdings könnte man dem Schnippser vorwerfen, dass er durchaus mit Verletzungen hätte rechnen müssen, wenn er die Salzstange, die in ein Ohr gedrückt wird, zerschnippst. Ob er allerdings damit hätte rechnen müssen, dass die Verletzungen derart heftig ausfallen, dass das Opfer in ein Krankenhaus geflogen werden muss, ist zu bezweifeln.

Wahrscheinlich dürfte eine Bestrafung also an der Vorhersehbarkeit der Verletzung scheitern.

Ggf. wäre der Hersteller der Salzstange zu verklagen, weil auf der Verpackung der Hinweis fehlt: „Die Salzstange darf nur dergestalt bestimmungsgemäß verwendet werden, dass die Salzstange manuell ausschließlich und in nicht zu großer zeitgleicher Anzahl in den geöffneten Mund einzuführen und durch Kaubewegungen zu zerkleinern ist. Salzstangen dürfen nicht, auch nicht vorübergehend, in andere Körperöffnungen gesteckt oder eingeführt werden. Salzstangen dürfen ausschließlich im Mundraum zerkleinert werden. Das Zerkleinern der Salzstange in unmittelbarer Nähe von Augen, Ohren und Nase ist verboten.“