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aus dem Eventrecht

Sänger wirft mit Mikroständer um sich

Von Thomas Waetke 1. Oktober 2012

Der Sänger der Band Falling in Reverse schleuderte bei einem Auftritt in Jackson (USA) einen Mikrofonständer ins Publikum, und verletzte dabei zwei Zuschauer, einer musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei hat den Sänger nach dem Konzert verhaftet.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Der eine macht mit guter Musik, der andere macht mit Gewalt auf sich aufmerksam…

Ende 2011 wurde der Sänger der Band Black Rebel Motorcycle Club zu einer Geldstrafe von 18.500 Euro, einer Bewährungsstrafe von 3 Monaten und zur Erstattung der Behandlungskosten verurteilt, nachdem er bei einem Konzert eine halbvolle Wasserflasche ins Publikum warf und dabei einen Zuschauer am Auge getroffen hatte.

Wenn das in Deutschland passiert wäre, würde dann auch der (deutsche) Veranstalter haften?

Der Besucher und der Veranstalter schließen einen Vertrag. Die Leistung des Veranstalters ist, dass der Besucher die Show sehen kann. Eine Nebenpflicht aus dem Vertrag ist, dass der Veranstalter den Besucher nicht verletzt. Hier hat aber die Band den Besucher verletzt.

 Die Band bzw. hier der Sänger würde unmittelbar als Täter auf Schadenersatz und Schmerzensgeld haften (§ 823 Abs. 1 BGB): Es ist nicht erlaubt, jemandem einen Mikrofonständer an den Kopf zu werfen. Dadurch entsteht zwischen Täter und Verletzten ein so genanntes gesetzliches Schuldverhältnis: Ob die beiden es wollen oder nicht, das Gesetz schreibt in einem solchen Fall der „unerlaubten Handlung“ vor, dass es nun einen Gläubiger (= den Verletzten) gibt, der vom Schuldner (= dem Täter) etwas (= Schadenersatz) verlangen kann.

Daneben stehen der Besucher und der Veranstalter in einem vertraglichen Schuldverhältnis, sie haben ja auch einen Vertrag geschlossen. Der Veranstalter würde aus diesem Vertrag auf Schadenersatz haften, obwohl er nicht selbst gehandelt hat, wenn der Täter Verrichtungsgehilfe oder Erfüllungsgehilfe für den Veranstalter war. Hier kommt letztlich der Sänger als Erfüllungsgehilfe in Frage, weil er dem Veranstalter geholfen hat, dessen Vertrag mit dem Besucher zu erfüllen (also: die Show abzuliefern).

Für das Fehlverhalten eines Erfüllungsgehilfen haftet der Veranstalter grundsätzlich immer (§ 278 BGB). Um das Haftungspotential aber nicht komplett auszuweiten, haben die Gerichte eine Beschränkung vorgenommen: Wenn der Erfüllungsgehilfe nur „bei Gelegenheit“ der Vertragserfüllung den Schaden verursacht, haftet der Veranstalter nicht. Daher dürfte hier einiges dafür sprechen, dass der Sänger kein Erfüllungsgehilfe ist, für den der Veranstalter haften müsste.

Sofern man dem Veranstalter nicht den Vorwurf machen könnte, dass er wusste, dass der Sänger den Mikrofonstände werfen will und damit seine vertragliche Schutzpflicht verletzt hätte, dürfte der verletzte Besucher damit keine Ansprüche gegen den Veranstalter haben.