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aus dem Eventrecht

Sänger fällt von der Bühne

Von Thomas Waetke 15. August 2011

Beim „Heitere Open Air“ in Zofingen (Schweiz) ist der Frontmann der schwedischen Band The Hives von der Bühne gestürzt. Der Sänger war an einer Traverse der Bühne hochgeklettert und von dort aus 2-3 Metern in den Bühnengraben gefallen.

Nach einer kurzen Unterbrechung wurde das Konzert fortgesetzt. Bei einer Kontrolle im Krankenhaus wurde aber u.a. eine Gehirnerschütterung diagnostiziert, so dass das folgende Konzert abgesagt wurde.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Bei solchen Vorfällen tauchen immer wieder die Fragen auf, ob (1.) der Veranstalter beim ausgefallenen Konzert die Gage zahlen muss, (2.) die Besucher ihr Eintrittsgeld wiederbekommen können und ob es einen Anspruch auf Schadenersatz gibt.

Einfacher ist die Frage mit dem Schadenersatz: Den gibt es grundsätzlich nur bei Verschulden (siehe § 280 BGB und § 823 BGB), d.h. der Veranstalter oder der Künstler müsste fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt haben. Grundsätzlich kann man natürlich darüber nachdenken, ob es nicht zumindest fahrlässig vom Sänger ist, wenn er in den Bühnentraversen herumklettert und dann dort herunterfällt. Würde man diese Frage bejahen, hätte der Veranstalter des abgesagten Konzerts einen Schaden- ersatzanspruch gegen den Künstler.

Fällt das Konzert aus, kann der Besucher das bereits bezahlte Eintrittsgeld zurückerstattet verlangen: Die Durchführung des Konzerts ist für den Veranstalter nicht möglich (wie auch, der Künstler fehlt ja). Er kann also seine vertraglich versprochene Leistung „Konzert“ nicht erfüllen – juristisch muss er sie dann auch nicht mehr erfüllen (siehe § 275 BGB). Damit wird umgekehrt aber auch der Besucher von seiner Leistung frei, er muss auch den Eintrittspreis nicht bezahlen (siehe § 326 Abs. 1 BGB). Soweit der Besucher bereits bezahlt hat, kann er das zurückverlangen (siehe § 812 BGB).

Gleiches gilt bezüglich der Gage: Wenn der Künstler nicht auftreten kann, muss er dies auch nicht ( § 275 BGB). Dann aber muss auch der Veranstalter die Gage nicht zahlen (§ 326 Abs. 1 BGB).