News + Aktuelles

aus dem Eventrecht
Rock am Ring: Kopie vom Original?

Rock am Ring: Kopie vom Original?

Von Thomas Waetke 2. Juni 2014

Kopie vom Original? Rock am Ring 2014 wird vermutlich zum letzten Mal 2014 an alt bewährter Stelle stattfinden. Der Betreiber des Nürburgrings und der Veranstalter des Mega-Festivals konnten sich offenbar nicht über die neuen Konditionen einigen, die der Betreiber gestellt hatte. Während es die Legende mit Marek Lieberberg zum 30-jährigen Jubiläum nun an eine andere Stätte ziehen wird, soll es am Nürburgring bereits einen Nachfolgeveranstalter geben. Wie sieht die rechtliche Situation dazu aus? Wie kann ein Veranstalter verhindern, dass „seine“ Veranstaltung von anderen kopiert wird?

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten:

1.) Vertrag

Der Veranstalter kann sich die Location für einen längeren Zeitraum vertraglich sichern. Allerdings hat ein langjähriger Vertrag nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile:

  • Vorteil: Beide Vertragspartner haben eine gewisse Planungssicherheit für längere Zeit.
  • Nachteil: Ändern sich die finanziellen Verhältnisse oder die Interessen, kann eine lange Bindung ärgerlich sein. Dies kann man wiederum etwas aufweichen durch Kündigungsregeln, allerdings werden beie Vertragspartner dann auch beiderseitige Kündigungsmöglichkeiten einbauen. Dann kommt es darauf an, dass diese gut und klar formuliert sind, um unnötige Streitigkeiten über verschiedene Auslegungsvarianten des Wortlauts möglichst zu vermeiden.

Im Übrigen wirkt ein Vertrag immer nur zwischen den Vertragsparteien: Ein unbeteiligter Veranstalter könnte also auf dem Nachbargrundstück bzw. bei einem anderen Vermieter/Eigentümer seine Veranstaltung durchführen; er muss dann allerdings insbesondere die Themen Urheberrecht und Wettbewerbsrecht beachten (siehe sogleich).

2.) Urheberrecht

Eine Veranstaltung kann denkbarerweise urheberrechtlich geschützt sein, so dass ein anderer Veranstaltung diese nicht einfach so kopieren dürfte; dies ist aber sehr selten: Erforderlich für den Urheberrechtsschutz ist ein Mindestmaß an geistiger Schöpfung; eben diese fehlt bei den meisten Veranstaltungen ebenso wie bei den zugrundeliegenden Konzepten: Letztlich handelt es sich nämlich nur um eine Aneinanderreihung von Ideen – und Ideen sind nicht urheberrechtlich geschützt, sie sind „frei“.

Allenfalls können einzelne Bestandteile einer Veranstaltung urheberrechtlich geschützt sein, wie z.B. Logo, Name, Webseite, Werbemittel, Schriftart, Skizzen, Bühnenbilder usw.

Da kann übrigens auch das Markenrecht greifen, wenn bspw. der Veranstaltungsname als Marke geschützt ist; dann darf dieselbe Bezeichnung nur durch den Markeninhaber genutzt werden.

3.) Wettbewerbsrecht

Dem urheberrechtlichen Gedanken angenähert ist das Wettbewerbsrecht: Veranstalter B darf nicht so tun, als ob er Veranstalter A sei, ebenso: Veranstalter B darf die Veranstaltung des A nicht einfach so kopieren, dass dadurch der falsche Eindruck erweckt werde, beim Veranstalter handele es sich um Veranstalter A.

Grundsätzlich ist es nicht verboten, am Nürburgring eine große Bühne aufzustellen und bekannte Bands darauf spielen zu lassen. Dieses „Konzept“ ist nicht geschützt bzw. nicht schützbar.

Allerdings sollte der Nachfolgeveranstalter darauf achten, dass seine Veranstaltung nicht als „Rock am Ring“ wahrgenommen wird bzw. er sollte schon gar nicht versuchen, die Besucher darüber zu täuschen, dass er der Veranstalter vom bisherigen Rock am Ring-Festival sei.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Besuchermenge (Frau jubelt sitzend auf Schulter, leicht gelblich): © Anton Gvozdikov - Fotolia.com