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aus dem Eventrecht

Richtige Bühne + falsche Band = Dicke Luft

Von Thomas Waetke 21. Februar 2012

Bei einer privaten Party mit 500 Gästen in der Nähe von Chicago (USA) kam es am Wochenende zu heftigen Tumulten, als die Besucher feststellten, dass die falsche Band auf der Bühne stand. Die Gastgeber hatten eine bestimmte Band eingeladen und angekündigt. Irgendwann merkten die Besucher, dass die Band auf der Bühne gar nicht die angekündigte Band war.

Ein Besucher warf zunächst eine Flasche auf die Bühne, es folgten Stühle, Essen, Möbel und prügelnde Gäste, die auf die Bühne stürmten. Die Polizei musste einschreiten, es gab mehrere Verletzte. Ein verletzter Gast musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Wenn wir mal den leicht komischen Ansatz des Vorfalls außen vorlassen: Wenn der Veranstalter den Künstler A ankündigt, dann muss er auch den Künstler A liefern.

Veranstalter und Besucher schließen einen Vertrag. Vertragsgegenstand ist die Lieferung des Konzertes mit dem Künstler A. Der Veranstalter ist mithin verpflichtet, den Künstler A zu liefern. Der Besucher hat einen Anspruch darauf, den Künstler A zu sehen/hören.

Der Veranstalter ist nicht berechtigt, den Künstler A durch den Künstler B zu ersetzen.

Das wäre allenfalls dann möglich, wenn es dem Besucher ersichtlich nicht darauf ankommt, ob A oder B auf der Bühne steht. Beispiel: Bei einem großen Orchester wird einer der Geiger ausgetauscht, da der ursprüngliche Musiker erkrankt war. Soweit der einzelne Orchestermusiker eher unbekannt bzw. anonym ist, kann er ausgetauscht werden – der Veranstalter erbringt dann trotzdem seine Leistung „Orchesterkonzert“.

Anders wäre es, wenn ein bekannter Dirigent angekündigt wird; er kann dann nicht ohne Weiteres ausgetauscht werden.

Dies gilt umso mehr bei Solokünstlern bzw. Bands.

Manche Veranstalter versuchen, das „Austauschrecht“ in AGB zu regeln. So heißt es dann bspw. „Der Veranstalter ist berechtigt, eine Band durch eine vergleichbare andere Band zu ersetzen“.

Solche Klauseln sind grundsätzlich unwirksam. Je wichtiger die Band für die Veranstaltung, desto weniger darf sie ausgetauscht werden. Der Veranstalter hätte dann seine Leistung nicht bzw. nicht vollständig erbracht, der Besucher kann sein ggf. bereits bezahltes Eintrittsgeld zurückverlangen (anteilig, bei einem Festival mit mehreren Bands).