News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Rennradfahrer von tieffliegendem Schild getroffen

Von Thomas Waetke 7. Oktober 2011

Auf der Peking-Rundfahrt ist ein Profi-Rennradfahrer von einem tieffliegenden Verkehrsschild getroffen worden.

Richtig gelesen: „fliegend“, denn ein Hubschrauber flog während der TV-Übertragung wohl zu tief und hatte mit dem Sog seiner Rotoren das Verkehrsschild aus seiner Verankerung gerissen. Das herumwirbelnde Schild hörte abrupt auf mit dem Wirbeln, als es mit dem heranrasenden Radfahrer kollidierte. Der kollidierte dann gleich noch mit einem TV-Motorrad, und musste verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

1.) Ansprüche gegen den Hubschrauberpiloten

Wäre das deutsche Recht anwendbar, dann würde wohl der Hubschrauberpilot zur Verantwortung gezogen werden können (siehe § 823 Absatz 1 BGB), da er hätte wissen müssen, dass bei einem Tiefflug Gegenstände aufgewirbelt werden können. Es dürfte also jedenfalls die für einen Schadenersatzanspruch des Radfahrers erforderliche Verschulden zu bejahen sein (nämlich die Fahrlässigkeit).

In Bezug auf die weitere Kollision mit dem TV-Motorrad ist aber die ebenfalls erforderliche Kausalität fraglich: Es muss nämlich ein Zsuammenhang zwischen den schädigenden Handlung (Tiefflug) und dem Schaden (Kollision mit dem Motorrad) bestehen, und dieser Zusammenhang darf nicht zu weit gehen.

Zwischen der schädigenden Handlung (Tiefflug) und dem Herumwirbeln des Schildes dürfte ein solcher kausaler Zusammenhang bestehen. Ob das auch bei der Motorrad-Kollision (noch) so ist, müsste das Gericht entscheiden.

2.) Ansprüche gegen den Veranstalter des Radrennens

Ansprüche wären auch denkbar gegen den Veranstalter des Radrennens, wenn ihm das Fehlverhalten des Hubschrauberpiloten zugerechnet werden könnte (vgl. die Thematik „Verrichtungsgehilfe“, siehe § 831 BGB). Hier wäre aber zuvor zu klären, ob der Veranstalter überhaupt Einfluss auf den Hubschrauberflug hatte und ob dieser nicht eher durch das TV-Unternehmen zu verantworten wäre.

Natürlich könnte letztendlich auch allein der Pilot veantwortlich sein – aber leider führt das Verlangen nach möglichst spektakulären Bildern auch zu einem Ausreizen des Risikos.

Man denke hier auch an „normale“ Musikveranstaltungen: Früher war es ausreichend, dass an der Bühne ein paar Spots hängen. Heute muss die Bühne über das Publikum einschweben usw. Die hohe Erwartungshaltung des Publikums führt zu immer gewagteren technischen Produktionen.