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aus dem Eventrecht

40/14 Reiserecht: Veranstalter haftet für Absturz vom Kamel

Von Thomas Waetke 25. Februar 2014

Was haben Kamele und das Oberlandesgericht Koblenz gemeinsam? Natürlich nicht, dass auch im OLG Koblenz Kamele sitzen würden, wer käme denn auf solch eine komische Idee…? Nein: Das OLG Koblenz hatte die Frage zu entscheiden, inwieweit im Reiserecht ein deutscher Reiseveranstalter dafür verantwortlich ist, dass der Reisegast im fernen Ausland sicher auf ein Kamel aufsteigen kann, auch wenn er selbst gar nicht vor Ort war.

Der Vorfall

Was war passiert? Ein Pauschalreisender hatte bei einem deutschen Reiseveranstalter eine Reise nach Afrika gebucht, zu der auch ein Kamelritt bei Beduinen gehörte. Allerdings wurde er verletzt, als er sich auf das Kamel setzte und es aufstand, bevor er richtig im Sattel saß.

Verantwortung für Fehler des Gehilfen

Obwohl der deutsche Reiseveranstalter nicht vor Ort war, wurde er durch das OLG Koblenz richtigerweise verantwortlich gemacht für den Schaden: Der Kamelführer vor Ort hatte nicht aufgepasst und den Unfall damit fahrlässig verschuldet. In den Worten des Oberlandesgerichts: „Der Reisende, als Mitteleuropäer, war erkennbar im Umgang mit Reitkamelen und deren offensichtlichen Besonderheiten, wie u.a. der Tatsache, dass diese, anders als Pferde, zunächst mit dem Hinterteil aufstehen und somit eine zwangsläufige Bewegung des Reiters bzw. des Aufsteigenden nach vorne erzwingen, unerfahren.“

Der Kamelführer war insoweit ein so genannter Erfüllungsgehilfe für den Reiseveranstalter: Der Kamelführer wurde vom Reiseveranstalter eingesetzt, vor Ort eine Pflicht aus dem Reisevertrag (= Kamelritt) erfüllen zu helfen. Damit haftet aber der Reiseveranstalter als Vertragspartner des Reisenden für Fehler des Kamelführers (§ 278 BGB).

Übrigens: Es spielt auch keine Rolle, ob der Kamelführer direkt vom Reiseveranstalter beauftragt wurde, oder ob der Veranstalter einen Dienstleister vor Ort beauftragt hatte, der einen weiteren Subdienstleister usw., und irgendein Subdienstleister dann letztlich den Kamelführer engagiert hätte: Die Haftung des Reiseveranstalters besteht dann für die gesamte Kette.

Was gerne übersehen wird:

  • Ein Reiseveranstalter haftet auch für Schäden, die im weit entfernten Ausland schuldhaft verursacht werden, bspw. von Hoteliers, Reiseführern usw. – es gehört zu den Verkehrssicherungspflichten des Reiseveranstalters, sich vor Ort zu vergewissern, dass alles ordnungsgemäß verläuft. Diskutiert werden kann dann die interessante Frage, ob dabei das deutsche Recht als Maßstab herhalten muss, oder das örtliche Recht (das ggf. niedrigere Anforderungen an die Sicherheit hat).
  • Reiseveranstalter kann bspw. auch ein Sportverein sein, wenn er seinen Mitglieder eine “Reise” anbietet – und diese aus mindestens zwei Bestandteilen besteht wie Fahrt und Unterkunft oder Programm.