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aus dem Eventrecht

Reiserecht: Schiffsunglück vor Italien

Von Thomas Waetke 15. Januar 2012

Vor der italienischen Küste auf Höhe der Toskana ist am Samstag ein Kreuzfahrtschiff mit 4.230 Passagieren auf Grund gelaufen und gekentert.

Bei dem Unglück sind nach bisherigen Kenntnisstand mindestens 3 Personen ums Leben gekommen, 42 weitere wurden zum Teil schwer verletzt, 70 Personen wurden am Sonntag noch vermisst.

Zeugen berichteten, dass es offenbar mehrere Stunden gedauert habe, bis die Passagiere evakuiert waren. Offenbar habe es auch Probleme beim Herablassen der Rettungsboote gegeben. Die Reederei widersprach dieser Darstellung.

Mehrere Passagiere sollen in Panik von Bord gesprungen sein. Da die Rettungskräfte keinen Zugriff auf die Passagierlisten hatte, war eine rasche Identifizierung schwierig.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Die Kreuzfahrt ist eine Pauschalreise im Sinne des § 651a BGB, da sie sich aus der Beförderung, Verpflegung, Unterhaltung und den Animationsprogrammen an Bord und an Land zusammensetzt. Damit gilt bei einer Kreuzfahrt das Reiserecht des BGB. Der Reisende hat dann eine Reihe gesetzlicher Ansprüche gegen den Reiseveranstalter. In der Praxis ist oftmals nicht einfach, herauszufinden, wer Reiseveranstalter ist (genauso ist das ja bei „normalen“ Veranstaltungen).

Das Reiserecht kann eine Rolle bspw. bei Incentive-Reisen spielen.

Geht das Schiff unter und kann die Reise nicht vollendet werden, kann der Reisende mindestens den entsprechenden Anteil der Kosten erstattet verlangen – und zwar unabhängig davon, ob der Reiseveranstalter den Untergang verschuldet hat oder nicht.

Lediglich bei der Frage, ob der Reisende (oder seine Erben) auch einen Schadenersatz- oder Schmerzensgeldanspruch haben, muss der Anspruchsteller ein Verschulden des Anspruchsgegners nachweisen: Der Reiseveranstalter oder seine Erfüllungs- gehilfen (die Reederei, das Bordpersonal usw.) müssten als fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt haben.

Die italienische Polizei hat den Kapitän festgenommen, offenbar wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. Würde sich dieser Verdacht bestätigen, dann würde der Kapitän nicht nur persönlich bestraft werden, sondern die Angehörigen der Toten und die Verletzten könnten jedenfalls vom Reiseveranstalter Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangen.