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aus dem Eventrecht

Reisemangel bei Kreuzfahrt bei Ausfall des Highlights

Von Thomas Waetke 19. September 2014

Reisemangel bei Kreuzfahrt: Das Amtsgericht München hat entschieden, dass ein angekündigtes „Highlight“ auch wie angekündigt geliefert werden muss. In dem Fall wurde eine mehrtägige Schiffsreise gebucht, die u.a. durch den Panama-Kanal gehen sollte. Im Reiseprospekt wurde die Fahrt durch den Kanal als „besonderer Höhepunkt“ beschrieben, und auch, dass man die Fahrt durch den Kanal um 6 Uhr morgens antreten werde. Tatsächlich aber fuhr das Schiff erst um 16 Uhr in den Kanal, so dass ein Großteil der Durchfahrt im Dunkeln stattgefunden hatte.

 

Das Amtsgericht hatte dazu festgestellt, dass das Highlight bei Tag angekündigt war und auch bei Tag hätte stattfinden müssen, da es auch auf die schöne Natur ankommen würde. Nur, weil die Schleusen nachts hell beleuchtet seien, sei das nicht ausreichend.

 

Das Gericht sprach dem Kläger eine Minderung des Reisepreises um immerhin 20% zu. Dabei sei maßgeblich, wie das ausgefallene Element im Gesamtbild der Reise zu gewichten sei, so das Gericht. Es kommt also nicht auf den Wert des einzelnen Elements an, sondern auf das Gesamte. Da die Reise als einzigen Höhepunkt die Panamadurchfahrt aufgeboten hatte, sei eine Minderung um 20% gerechtfertigt.

 

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke

Viele Veranstalter versuchen, Programmänderungen in ihren AGB als „in Ordnung“ zu vereinbaren, oft verbunden mit dem Argument, dass man bei der Planung nicht in die Zukunft schauen könne.

 

Grundsätzlich darf aber einem Reisenden oder Besucher nicht das Risiko aufgebürdet werden, dass Programmpunkte entfallen oder verändert werden, weil bspw. ein gebuchter Künstler nicht mehr auftreten will/kann. Risiken, die die Durchführung der Reise/Veranstaltung nicht möglich machen, liegen grundsätzlich im Verantwortungsbereich des Veranstalters. Entsprechende Klauseln mit einem Änderungsvorbehalt, sind daher unwirksam.

 

Möglich ist für den Veranstalter aber, unwesentliche Programmpunkte zu verändern. Bezahlen die Gäste Eintritts für einen Galaabend, an dem am Rande mehrere in der Werbung nicht genannte Musikgruppen auftreten, darf er natürlich eine der Gruppen austauschen. Das gilt letztlich auch dann, wenn die Musikgruppe vorher benannt wurde, aber es dem Besucher gleichgültig sein kann, wer letztlich auf der Bühne steht.

 

Bei der Schiffsreise darf das Schiff auch statt 6 Uhr um 6.05 Uhr die Fahrt durch den Kanal antreten, ohne dass die Reiseleistung wesentlich beeinträchtigt werden würde.

 

Je wesentlicher aber die Veränderung bzw. je weniger eine Änderung dem Gast zumutbar ist, desto weniger ist sie zulässig. Der enttäuschte Gast hätte dann durchaus Anspruch auf (zumindest anteilige) Rückerstattung seines Eintrittspreises oder Minderung des Reisepreises.

 

Bildnachweis: © Horst Schmidt – Fotolia.com

 

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