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aus dem Eventrecht

Rechte am Fußballspiel

Von Thomas Waetke 8. Juni 2012

Heute beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine. Während der Spiele wollen wir uns einige rechtliche Aspekte etwas genauer anschauen, und beginnen dabei mit den Rechten am Fußballspiel:

Wenn bspw. ein Gastwirt in seiner Gaststätte eine Leinwand aufhängt, um ein WM- oder EM-Fußballspiel zu übertragen, muss er dafür Lizenzgebühren an die FIFA bzw. UEFA zahlen. Weit verbreitet ist der Irrglaube, dass dies (nur) mit dem Urheberrecht zu tun hätte. Dies ist nur teilweise der Fall:

Urheberrechtlich geschützt ist, was einer „persönlichen, geistigen Schöpfung“ entspringt.

Bei aller Liebe zum Fußball: Da rennen ein paar Leute einem Ball hinterher. Das mag persönlich sein, aber es ist zumindest nicht „geistig“ und vor allem „schöpferisch“. Das Fußballspiel selbst ist mithin nicht urheberrechtlich geschützt. An einem Spiel hat die FIFA bzw. UEFA also grundsätzlich keine Urheberrechte.

1.) Schutz der Eröffnungsfeier

Geschützt ist aber regelmäßig die Choreographie bspw. der Eröffnungsfeier oder der Abschlussfeier.

Hieran ist der Choreograph dann der Urheber und kann Aufnahmen seiner Show verhindern.

Und nun kommt die FIFA/UEFA ins Spiel: Die FIFA/UEFA ist ja nicht der Urheber, sie hat aber als „Veranstalter“ gewisse Rechte an der Vorführung (siehe § 81 UrhG): Sie kann ähnlich wie der Urheber verhindern, dass Aufnahmen gemacht werden. Und wer etwas verhindern kann, kann es auch erlauben – gegen Zahlung einer Lizenzgebühr.

2.) Schutz als Sendeunternehmen

Es gibt ein kleines Hintertürchen im Urheberrecht, über das die FIFA bzw. UEFA einen gewissen Schutz erlangen kann: Nach § 87 UrhG hat das Sendeunternehmen das Recht, seine Funksendung öffentlich zugänglich zu machen. Das Sendeunternehmen ist bspw. die ARD, die sich mit Kameras im Stadion aufstellt. Somit könnte also die ARD Lizenzgebühren verlangen. Aber die FIFA bzw. UEFA?

Die FIFA/UEFA kann sich das Recht von der ARD übertragen lassen (siehe § 87 Abs. 2 Satz 1 UrhG).

3.) Das Hausrecht

Und ein Anreiz für die ARD, dieses Recht auf die FIFA bzw. UEFA zu übertragen, findet sich außerhalb des Urheberrechts: Die FIFA bzw. UEFA schließt einen Vertrag mit dem Stadionbetreiber und lässt sich das Hausrecht einräumen. Somit kann die FIFA bzw. UEFA grundsätzlich entscheiden, welches Sendeunternehmen im Stadion die Kameras aufstellen darf… und so kommt die FIFA bzw. UEFA an die Übertragung der Rechte.