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aus dem Eventrecht
Ratenzahlung gefällig?

Ratenzahlung gefällig?

Von Thomas Waetke 11. Oktober 2012

Gut, man kann sich ja mal irren: Eine junge Frau aus Frankreich hat von ihrem Mobilfunkanbieter eine Abschlussrechnung nach Kündigung des Handyvertrages über schlappe 11.721.000.000.000.000,00 erhalten.

Falls sich jemand mit diesen vielen Nullen von seinem Bankkonto her nicht auskennen sollte: Das sind 11 Billiarden Euro. Immerhin: Nachdem die Frau im Callcenter anrief und den Irrtum aufklären wollte, bot ihr der Mitarbeiter zunächst eine großzügige Ratenzahlung an. :roll:

Als die Sache dann in den Medien landete, entschuldigte sich das Unternehmen für den Irrtum: „Ein Komma sei verrutscht“, die Forderung betrage nur 117,21 Euro.

Vor ein paar Jahren erlebte eine Kioskbesitzerin aus München Ähnliches: Laut Steuerbescheid sollte sie für ihren kleinen Kioskbetrieb 2,1 Milliarden Euro nachzahlen. Die Inhaberin hatte sich dann an ihren Steuerberater gewandt, der beim Finanzamt dann die Reduzierung der Forderung auf die tatsächliche Steuersumme von 108,82 Euro hatte erreichen können. Allerdings wollte der Steuerberater jetzt ca. 600.000 Euro Honorar, das sich aufgrund des immensen Streitwertes errechnet hatte. Das Finanzamt lehnte die Erstattung ab, da sich die Kioskbesitzerin angesichts des offenkundigen Fehlers auch selbst hätte an das Finanzamt wenden können. Aber: Angeblich hatte sie das sogar telefonisch getan, und erst ihren Steuerberater beauftragt, als sich das Finanzamt nicht darum gekümmert hatte.

Tatsächlich besteht eine so genannte Schadenminderungsobliegenheit (siehe § 254 Abs. 2 BGB): Das bedeutet, dass der Geschädigte den Schaden nicht größer werden lassen darf, als notwendig. Das klassische Beispiel ist der Verkehrsunfall. Wenn jemand mein Auto beschädigt, darf ich mir auf seine Kosten einen Mietwagen nehmen, bis mein Auto repariert ist. Wenn ich bisher einen Audi A1 fuhr, darf ich mir aber jetzt keinen Audi A8 mieten und vom Schädiger dann diese Kosten verlangen – natürlich darf ich den A8 mieten, aber die Differenzkosten vom A1 zum A8 muss ich dann selbst zahlen.

Wenn der Veranstalter Technik gemietet hat, aber der Vermieter liefert die bestellte Technik nicht bzw. sie funktioniert nicht, dann darf der Veranstalter nicht beleidigt die Veranstaltung einfach absagen und den Ausfallschaden vom Vermieter verlangen: Er muss zunächst versuchen, anderweitig Technik anzumieten. Die dort entstehenden Mehrkosten kann er dann vom ersten Vermieter erstattet verlangen. Nur dann, wenn er kurzfristig keine anderen Möglichkeiten hat, die ausgefallene Technik zu ersetzen, kann er die Veranstaltung absagen und den Schaden ersetzt verlangen.

Achtung!
Wenn Sie solche Ersatzmaßnahmen ergreifen bzw. versuchen, dann sorgen Sie dafür, dass Sie diese Versuche später auch beweisen können!

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Frau mit Haftnotitz auf der Stirn: © Markus Bormann - Fotolia.com