News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Radrennfahrer tödlich verunglückt

Von Thomas Waetke 9. Mai 2011

Beim Giro d‘ Italia ist auf der 3. Etappe der belgische Radprofi Wouter Weylandt tödlich verunglückt. Vermutlich verhakte er sich mit dem Pedal in einem Mauervorsprung und stürzte schwer; auch sofort eingeleitete Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Ob der Veranstalter zur Verantwortung gezogen werden kann, ist eine Frage der Verkehrssicherungspflicht: Hat er diese verletzt oder nicht?

Der Teilnehmer einer Radsportveranstaltung weiß allerdings, dass das Radrennen im Freien höhere Risiken birgt als in einer Halle. Er weiß bzw. muss damit rechnen, dass es Unebenheiten der Straße gibt oder eben auch seitenbegrenzende Mauern.

Nur, wenn der Fahrer mit bspw. einem Mauervorsprung um die Ecke nicht rechnen müsste, könnte den Veranstalter eine Haftung treffen. Grundsätzlich aber muss ein Veranstalter nicht alles tun, um Schäden zu verhindern – hier hätte er ja die Mauer künstlich glätten oder mit Schaumstoff abfedern müssen. Dies würde aber seine Verkehrssicherungspflichten übersteigen. Maßgeblich ist letztlich, was zumutbar und erforderlich ist. Dabei darf der Veranstalter von einem verständigen und vernünftigen Gegenüber ausgehen.

Verschiedene Oberlandesgerichte haben folgende Grundregeln bei Radrennen aufgestellt:

  • Der Veranstalter ist für Zustand und die Eignung der Rennstrecke und deren sichere Benutzungsmöglichkeit verkehrssicherungspflichtig.
  • Soweit eine Verkehrssicherung, die jede mögliche Verletzung von Rechtsgütern ausschließt, zwar nicht erreichbar ist, bedarf es jedenfalls solcher zumutbarer Sicherungsmaßnahmen, die ein verständiger und umsichtiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtig handelnder Veranstalter für ausreichend halten durfte, um die Rennteilnehmer vor Gefahren zu schützen, die nicht fernliegend waren bzw. über das übliche, sportimmanente Risiko hinaus gingen.
  • Da das Augenmerk von Wettkampfteilnehmern in erster Linie der Sportausübung gilt und ihre Aufmerksamkeit erfahrungsgemäß im Kollektiv abnimmt, sind an die Sicherheit der Rennstrecke vergleichsweise hohe Anforderungen zu stellen.

Allerdings dürfen diese Anforderungen auch nicht überspannt werden. Beispielsweise aber muss der Veranstalter dafür sorgen, dass der Radrennfahrer nicht vom normalen Autoverkehr gefährdet wird (bspw. durch Absperrungen).

Konkret in Bezug auf eine Kollision eines Radfahrers mit einer Leitplanke hatte der Bundesgerichtshof bereits 1986 entschieden: „Der Veranstalter eines Straßenrennens ist nur an ungewöhnlich gefährlichen Stellen verpflichtet, Leitplanken in einer Kurve abzupolstern.“

Nur dann, wenn also die Mauer an einer gefährlichen Stelle stand (z.B. Kurve), hätte der Veranstalter die Mauer polstern müssen.