Aktuelles

Urteile, Vorfälle, Kommentierungen...
Qualifikation des Veranstaltungsleiters

Qualifikation des Veranstaltungsleiters

by 8. April 2019

Immer wieder taucht die Frage auf, ob ein Veranstaltungsleiter eine bestimmte Qualifikation benötigen würde.

Zunächst zur Klarstellung: In diesem Sinne meine ich mit “Veranstaltungsleiter” den Veranstaltungsleiter im Sinne des § 38 MVStättVO, also den Vertreter des Betreibers der Versammlungsstätte.

Der Betreiber ist berechtigt, Aufgaben auf seinen Vertreter, also einen Veranstaltungsleiter zu übertragen (§ 38 Absatz 2 und Absatz 5). Benötigt dann eben dieser Veranstaltungsleiter eine bestimmte Qualifikation?

Nun, der Betreiber braucht ja auch keine Qualifikation. Daher ist die Frage erlaubt, warum dann sein Vertreter eine Qualifikation brauchen würde. Ebenso benötigen übrigens auch der Veranstalter und/oder sein Projektleiter keine besondere Qualifikation.

Auch die MVStättVO sieht selbst keine bestimmte Qualifikation für den Veranstaltungsleiter vor.

Aber wie es so oft ist: Der “Häuptling” muss nichts können, außer zu delegieren.

Ungeachtet dessen tut der Betreiber gut daran, nicht “irgendwen” auszuwählen, sondern nur geeignete Personen. Handelt es sich bei dem Veranstaltungsleiter um einen Arbeitnehmer des Betreibers, muss er die Auswahl alleine schon aus arbeitsschutzrechtlichen Gesichtspunkten heraus sorgfältig vornehmen, und den Mitarbeiter auch überwachen und stetig prüfen, ob er den Anforderungen gewachsen ist. So kann bspw. nicht schaden, den Mitarbeiter zu einem Seminar zu schicken.

Bei Flugshows hat man nach einer Vielzahl von schweren Unfällen reagiert: So muss bei dieser Veranstaltungsart der Veranstalter eine sachkundige Person bestimmen, die in der Lage ist, die Pflichten, die ihm mit der Veranstaltungsgenehmigung auferlegt werden, zu erfüllen. Die Sachkunde bezieht sich insbesondere auf Kenntnisse und Erfahrungen im Luftverkehr und mit Luftfahrtveranstaltungen.

Und dieses System zieht sich durch alle Bereiche durch: Derjenige, der ganz oben steht, braucht grundsätzlich keine Qualifikation. Ausnahmen sind bspw. die Inhaber eines Sicherheitsunternehmens (vgl. § 34a GewO) oder auch Anwälte: Anwalt kann auch nicht jeder sein. Aber bspw. Veranstalter, viele Dienstleister, Berater, Agenturen usw. benötigen keine berufliche Qualifikation.

Aber wenn er bestimmte Tätigkeiten vornehmen möchte, dann braucht er welche – bzw. wenn er diese Tätigkeiten delegiert, dann braucht der Delegierte diese Qualifikation.

Der Auftraggeber bzw. Arbeitgeber muss seine Auftragnehmer bzw. Beschäftigten ordentlich auswählen (da kann auch dazu gehören, Nachweise zu den Qualifikationen zu überprüfen) und überwachen (= macht er auch das ordentlich, was er machen soll?).

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Schüler vor der Tafel: © fotomek - Fotolia.com