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Polen: 5 Tote in Escape-Room

Polen: 5 Tote in Escape-Room

by 5. Januar 2019

In einem sog. Escape-Room sind in Koszalin (Polen) fünf 15-jährige Mädchen ums Leben gekommenein Mitarbeiter wurde schwer verletzt. Die Mädchen, die sich gerade in einem verschlossenen Raum befanden, starben offenbar an einer Rauchvergiftung. Das Feuer könnte nach derzeitigem Erkenntnisstand durch einen Defekt an der mit Gasflaschen betriebenen Heizung entstanden sein. Offenbar hatte das Feuer den Mädchen den Fluchtweg abgeschnitten: Der Mitarbeiter, der einen Notausgang aus dem Escape-Room hätte öffnen sollen, war aufgrund des Feuers dazu nicht in der Lage. Er erlitt schwere Verbrennungen im Gesicht. Die Polizei ermittelt gegen den Betreiber.

In einem Escape-Room wird eine Gruppe eingeschlossen, die dann versuchen muss, innerhalb einer bestimmten Zeit Rätsel zu lösen und wieder aus dem Raum herauszukommen.

Selbstverständlich muss der Anbieter solcher Spiele auch immer den Worst Case im Auge haben. Es mag das Spiel es notwendig machen, dass die Tür verschlossen ist; nichts desto trotz muss sichergestellt sein, dass die im Raum befindlichen Personen trotzdem jederzeit, auch eigenständig und ohne Hilfe von außen, aus dem Raum herauskommen. Denn wenn – wie offenbar in Polen das der Fall war – der Notausgang nur von einem Mitarbeiter von außen geöffnet werden kann, muss man berücksichtigen, dass eben dieser Mitarbeiter im richtigen Moment womöglich nicht zur Verfügung steht: Weil er selbst verletzt ist, weil er gerade auf der Toilette ist, weil er abgelenkt ist usw.

Das gilt übrigens für viele Fälle, in denen man aus szenischen oder dramaturgischen Gründen von den gesetzlichen Forderungen oder vom gesunden Menschenverstand abweicht. Erstaunlich oft kommt ein Mandant zu mir und fragt, ob er denn während einer Theateraufführung die Notausgangsbeleuchtung ausschalten dürfe: Es soll nämlich aus künstlerischen Gründen stockdunkel im Raum sein.

Dazu ein Blick zu einer anderen Hochrisikogruppe: Dem Fliegen. Dort wird bekanntlich bei Start und Landung, wenn diese in der Dunkelheit stattfinden, die Innenbeleuchtung eingeschaltet. Man möchte damit erreichen, dass in der für einen Flug kritischen Phase des Starts und der Landung der Mensch in der Lage ist, das Flugzeug notfalls schnell verlassen zu können. Da es auf einer Start- oder Landebahn durchaus hell ist aufgrund der Außenbeleuchtung, soll das menschliche Auge durch die Innenbeleuchtung auch schon an Licht gewohnt sein – und sich nicht erst im Notfall beim Verlassen des Flugzeugs daran gewöhnen müssen.

So erginge es auch den Besuchern der Theateraufführung, wenn diese aus dem absolut dunklen Raum heraus flüchten müssten – bzw. im Notfall das Saallicht eingeschaltet wird oder es im Foyer usw. hell ist.

Abgesehen davon, dass der Besucher in der Lage sein muss, auch selbst den Raum verlassen zu können – ohne davon abhängig zu sein, dass der beauftragte Mitarbeiter das Licht wieder einschaltet. By the way: Derartige Mitarbeiter sind meistens nicht gerade Mitarbeiter der obersten Gehaltsklasse… aber ihre Verantwortung ist immens: Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden sie nicht gebraucht, aber wenn, dann würde ihr Versagen zu einer Katastrophe führen können. Ob man daran auch denkt…?

Übrigens, auf der Best of Events am 16./17.01.2019 in Dortmund werden wir auf unserer Aktionsfläche in Halle 4 (Stand E.20) auch einen Escape-Room aufbauen: Die Teilnehmer sollen mit Raffinesse, Fachwissen und Teamgeist die im Raum gestellten Aufgaben rund um das Thema Veranstaltungssicherheit und -recht lösen und pünktlich aus dem Raum „heraus kommen“.

Es versteht sich von selbst, dass „unsere“ Türen nur geschlossen sind, aber nicht verschlossen: Jeder kann jederzeit durch alle Türen durchgehen.

Mehr zu unserem Escape-Room auf der BoE hier.

Machen Sie doch auch mit! (am besten vorher anmelden über office@eventfaq.de)

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Feuerwehreinsatz bei Nacht: © mc-cain - Fotolia.com