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aus dem Eventrecht

Plagiatsvorwürfe bei Loveparade-Mahnmal

Von Thomas Waetke 22. Dezember 2010

Die Initiative Spendentrauermarsch, die zum Gedenken an die Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg ein Mahnmal sucht, hat die Zusammenarbeit mit dem Künstler beendet, der den bisher wohl besten Vorschlag unterbreitet hatte.

Grund für die Beendigung der Zusammenarbeit ist, dass der Künstler der Jury, die aus den Entwürfen auswählen sollte, nicht mitgeteilt hatte, dass das Motiv schon anderweitig verwendet wurde. Der Künstler hatte sich nach eigenen Angaben von einer Grafik „inspirieren“ lassen, die auch bei fotalia.de angeboten wird.

Tatsächlich sehen sich die Grafik auf fotalia.de und die Grafik des Künstlers verblüffend ähnlich. Es handelt sich um eine schwarz-weiße Silhouette von jubelnden Menschen, deren in die Höhe reckte Arme aber auch als Hilferufe interpretiert werden können. Der Künstler hatte diese Grafik als Vorschlag der Jury vorgestellt, die bei der Umsetzung mehrere Meter groß hätte werden sollen.

Nach eigenen Angaben will der Künstler von fotalia.de das Bearbeitungsrecht rechtmäßig erworben haben – allerdings wollte die Jury etwas Einmaliges bzw. Einzigartiges. Der Künstler hatte die Jury nicht darauf hingewiesen, dass die zugrundeliegende Grafik von Jedermann ebenfalls bei fotalia.de bezogen werden könne. Diese fehlende Information geht auch damit einher, dass fotalia.de in seinen Lizenzbedingungen verlangt, als Rechteinhaber gekennzeichnet zu werden – auch dies hatte der Künstler unterlassen.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Einzigartigkeit hin oder her, schauen wir uns die Sache rechtlich an:

Wer fremde Werke nutzen will, benötigt die Erlaubnis des Rechteinhabers. Eine kunstvoll gestaltete Silhouette, die ersichtlich sowohl den Schluss auf jubelnde als auch auf hilferufende Menschen zulässt, ist urheberrechtlich geschützt.

Wer das Werk nachbauen möchte (bspw. weil er es nicht als Foto, sondern als dreidimensionales Mahnmal nutzen möchte), braucht die Zustimmung des Urhebers, konkret u.a. das so genannte Bearbeitungsrecht (siehe § 23 UrhG).

Die Bearbeitung wäre dann erlaubnisfrei, wenn sich der Künstler lediglich eine Idee bzw. einen Anreiz vom Werk holt, dann aber ein eigenständiges neues Werk schafft, das nicht etwa die wesentlichen Grundzüge des ersten Werkes übernommen hat (siehe § 24 UrhG).

Sofern fremde Werke genutzt werden, muss der Urheber genannt werden (§ 13 UrhG). Bei Fotos ist der Name des Urhebers bspw. seitlich am Foto dazuzuschreiben, bei Filmen muss der Urheber im Abspann genannt werden usw. Nur in den Fällen, in denen branchenüblich der Urheber nicht genannt wird, muss er auch ausnahmsweise nicht genannt werden.

Eine Bildagentur (wie oben fotalia.de) ist aber kein Urheber – denn das ist immer nur der Werkschöpfer selbst. Fotalia.de ist aber der aktuelle Rechteinhaber, soweit der Fotograf bzw. Designer die Nutzungsrechte an seinem Werk auf fotalia.de übertragen hat. Nunmehr kann fotalia.de in seinen Nutzungsbedingungen vorschreiben, dass der Kunde den Namen des Rechteinhabers fotalia.de neben das Werk schreiben muss. Unterlässt der Kunde dies, handelt es sich um eine Rechtsverletzung.

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