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Pauschalversteuerung bei Kunden und Arbeitnehmern: Die Kosten des äußeren Rahmens

Pauschalversteuerung bei Kunden und Arbeitnehmern: Die Kosten des äußeren Rahmens

by 7. Februar 2019

Müssen die Aufwendungen, die den äußeren Rahmen einer Veranstaltung betreffen, in die Bemessungsgrundlage der pauschalisierten Einkommensteuer einbezogen werden? Diese Frage spielt bei der Kalkulation einer Veranstaltung für Kunden und/oder Mitarbeiter eine wichtige Rolle.

Der Bundesfinanzhof hatte dazu vor ein paar Jahren entschieden, dass nur solche Kosten des Arbeitgebers einzubeziehen sind, die geeignet sind, beim Arbeitnehmer einen geldwerten Vorteil auszulösen. Hierzu gehören nicht diejenigen Kosten, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Betriebsveranstaltung stehen und durch die der Arbeitnehmer deshalb nicht bereichert ist, wie etwa Kosten der Buchhaltung oder für die Beschäftigung eines Eventmanagers. Dies begründete der Bundesfinanzhof damit, dass Arbeitgeber häufig nicht in der Lage seien, selbst eine Betriebsveranstaltung auszurichten; sie müssten sich daher der Hilfe eines Eventmanagers bedienen, der diese gestaltet. Die Organisation einer Betriebsfeier durch ein fremdes Unternehmen erhöhe zwar die Kosten des Arbeitgebers hierfür, nicht aber den Vorteil, der dem Arbeitnehmer zufließe und der allein Gegenstand der Einkommensbesteuerung sei.

Nun haben zwei Finanzgerichte, das FG Köln und das FG Münster, diese Rechtsprechung aufgeschlüsselt:

So sollen nach Ansicht des Finanzgerichts Köln die Kosten des Eventmanagers bzw. der Eventagentur sehr wohl in die Bemessungsgrundlage einbezogen werden, wenn

  • die Kosten „marktgängig“ sind: Würde der Arbeitgeber die Veranstaltung nicht selbst ausrichten, sondern seinen Arbeitnehmern nur Eintrittskarten für eine fremde Veranstaltung schenken, dann würden auch die Organisationskosten in den Preis einfließen – da der Veranstalter auch diese Kosten in den Eintrittspreis hineinrechnet;
  • der Arbeitnehmer dadurch bereichert ist, dass die Veranstaltung durch den Eventmanager bzw. die Agentur professionell durchgeführt wird – der Arbeitgeber selbst diese Professionalität aber nicht hätte leisten können, und genau deshalb den Dienstleister beauftragt hat.

Auch das Finanzgericht Münster hat das Argument der Marktgängigkeit aufgegriffen. In diesem Verfahren ging es um eine Veranstaltung, mit die Arbeitnehmer für ihre Leistungen belohnt werden sollten. Bei den streitigen Kosten ging es nicht um die Kosten der beauftragten Eventagentur, sondern u.a. um Kosten der Anmietung von Toilettencontainern, Dekoration, Technikausstattung, GEMA usw.

Das FG Münster hat dabei festgestellt, dass anders als bei einer Jubiläumsfeier eine solche Belohnungsveranstaltung marktgängig sei, da solche Veranstaltung anderweitig gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes angeboten werden. Diese Veranstalter rechnen aber alle Kosten mit in den Preis der Eintrittskarte ein, daher müssten sie auch beim Arbeitnehmer in die Bemessungsgrundlage einbezogen werden.

Eine Ausnahme hatte das Finanzgericht Münster nur bei den Kosten der Werbemittel gemacht: Denn der Einsatz von Werbemitteln des Veranstalters stellt aus Sicht des Veranstaltungsteilnehmers keinen geldwerten Vorteil dar. Kosten der Eigenwerbung sind aus Sicht eines Veranstalters im Hinblick auf die eigene Einkommenserzielung getätigter Aufwand, der jedenfalls typischerweise nicht auf den Endkunden umgelegt wird, da er grundsätzlich nicht geeignet ist, bei diesem einen Vorteil hervorzurufen, welchen der Endkunde zu bezahlen bereit ist, so das Gericht.

Beide Verfahren liegen nun beim Bundesfinanzhof. Die Entscheidung hat aber durchaus erheblichen Einfluss auf Veranstaltungen für Kunden oder Arbeitnehmer, bei denen der Veranstalter eine Pauschalversteuerung vornehmen kann.

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  • Drei feiernde Mitarbeiter mit Partyhüten: © Picture-Factory - Fotolia.com