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aus dem Eventrecht

Passagier lässt Anker fallen

Von Thomas Waetke 1. Dezember 2010

Ein alkoholisierter Passagier hat auf einem Kreuzfahrtschiff während der Fahrt den Anker fallen lassen. Der Passagier drang genauso unerlaubt wie unbemerkt in den abgesperrten Bereich des Schiffes vor und löste den Ankerabwurf aus.

Zuvor warf er noch ein Rettungsboje über Bord, was einen automatischen Alarm auslöste. Verletzt wurde niemand, allerdings hätte nach Angaben der Reederei der Anker erhebliche Schäden an dem fahrenden Schiff verursachen können.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Man kann gar nicht so blöd denken, wie manche Menschen sind. Es stellt sich aber die Frage, mit was ein Verantwortlicher rechnen muss, bzw. genauer: Mit welcher Dreistigkeit oder Skrupellosigkeit muss er rechnen, wenn er Sicherungsmaßnahmen ergreift? Im eben geschilderten Fall verschaffte er sich unerlaubt Zugang zu dem Anker, der abgesperrt war – was muss eine Reederei alles unternehmen, das so etwas nicht passieren kann?

In einem anderen, vor dem Oberlandesgericht Hamm entschiedenen Fall hatte ein Veranstalter mehrere Stative aufgestellt, die mit einem Traversensystem verbunden waren, an denen Lmapen und Lautsprecher aufgehängt waren. Die Stative waren am Boden über vier Ausleger stabilisiert, aber nicht im Boden verankert. Während der Veranstalter entfernten Unbekannte zwei der Ausleger an einem Stativ, woraufhin zwei miteinander verbundene Stative umfielen und einige Besucher verletzten.

Das Oberlandesgericht hatte damals entschieden, dass den Veranstalter hier kein Verschulden traf: Er hätte nicht damit rechnen müssen, dass sich jemand vorsätzlich an den Auslegern zu schaffen macht und diese herauszieht. Naja, fragwürdig ist das schon: Immerhin hätte der Veranstalter mit Hilfe eines abschließbaren Schlosses o.Ä. eine Manipulation durch Unbefugte verhindern können.

Aber, grundsätzlich gilt:

Der Verkehrssicherungspflichtige (egal ob das die Reederei oder der Veranstalter ist) muss das Erforderliche und Zumutbare tun, damit nichts passiert.

Jeder Veranstalter bzw. Verantwortliche muss sich also bei seinem Handeln die Frage stellen:

  1. Was ist im konkreten Fall erforderlich, damit es erst gar nicht zu einem Schaden kommen kann?
  2. Was ist im konkreten Fall zumutbar, um mögliche Schäden zu verhindern?

Das lässt sich natürlich niemals pauschal beantworten – es zeigt aber, dass der Veranstalter nicht „alles“ tun muss (das ginge ja auch nicht).

So darf er bei der Frage, was erforderlich und zumutbar wäre, auch davon ausgehen, dass sein Besucher durchschnittlich normal, aufmerksam und sorgfältig ist.

Beispiel:

Vor einer normalen Treppe, die beleuchtet ist und ohne weiteres als Treppe erkennbar ist, muss der Veranstalter nicht noch Wachpersonal aufstellen, das dem Besucher sagt „Achtung, Treppe!“.

Muss der Veranstalter aber davon ausgehen, dass dieser durchschnittlich aufmerksame und sorgfältige Besucher die mögliche Gefahr nicht wird erkennen können, so muss er („erforderlich“!) hiergehen Sicherungsmaßnahmen (im „zumutbaren“ Umfang) treffen.