News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Österreich: 1 Tote bei Radmarathon

Von Thomas Waetke 20. Mai 2012

Bei einem Radmarathon in der Nähe von Salzburg (Österreich) ist eine deutsche Teilnehmerin tödlich verunglückt, als sie stürzte, in die Gegenfahrbahn rutschte und dort von einem entgegenkommenden PKW überfahren wurde.

Der Radmarathon wird vom Tourismusverband Radstadt veranstaltet. Dabei wurde nur die Fahrbahn der Radfahrer gesperrt, nicht aber die Gegenfahrbahnen.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Ob der Veranstalter zur Verantwortung gezogen werden kann, ist u.a. eine Frage der Verkehrssicherungspflicht: Hat er diese verletzt oder nicht?

Der Teilnehmer einer Radsportveranstaltung weiß grundsätzlich (= dieses Wissen wird ihm vom Gericht unterstellt), dass das Radrennen im Freien höhere Risiken birgt als in einer Halle. Er weiß bzw. muss damit rechnen, dass es Unebenheiten der Straße gibt, seitenbegrenzende Mauern oder eine Gegenfahrbahn.

Wenn der Fahrer mit Gegenverkehr gar nicht hatte rechnen müssen, könnte den Veranstalter eine Haftung treffen.

Grundsätzlich aber muss ein Veranstalter nicht alles tun, um Schäden zu verhindern. Dies würde seine Verkehrssicherungspflichten übersteigen. Maßgeblich ist letztlich, was Zumutbar und Erforderlich ist. Dabei darf der Veranstalter von einem verständigen und vernünftigen Teilnehmer ausgehen.

Verschiedene Oberlandesgerichte haben in der Vergangenheit folgende Grundregeln bei Radrennen auf der Straße  aufgestellt:

  • Der Veranstalter ist für Zustand und die Eignung der Rennstrecke und deren sichere Benutzungsmöglichkeit verkehrssicherungspflichtig.
  • Soweit eine Verkehrssicherung, die jede mögliche Verletzung von Rechtsgütern ausschließt, zwar nicht erreichbar ist, bedarf es jedenfalls solcher zumutbarer Sicherungsmaßnahmen, die ein verständiger und umsichtiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtig handelnder Veranstalter für ausreichend halten durfte, um die Rennteilnehmer vor Gefahren zu schützen, die nicht fernliegend waren bzw. über das übliche, sportimmanente Risiko hinaus gingen.
  • Da das Augenmerk von Wettkampfteilnehmern in erster Linie der Sportausübung gilt und ihre Aufmerksamkeit erfahrungsgemäß im Kollektiv abnimmt, sind an die Sicherheit der Rennstrecke vergleichsweise hohe Anforderungen zu stellen.

Allerdings dürfen diese Anforderungen auch nicht überspannt werden. Konkret in Bezug auf eine Kollision eines Radfahrers mit einer Leitplanke hatte der Bundesgerichtshof bereits 1986 entschieden: “Der Veranstalter eines Straßenrennens ist nur an ungewöhnlich gefährlichen Stellen verpflichtet, Leitplanken in einer Kurve abzupolstern.”

In Bezug auf das Verhalten des Teilnehmers sei an das Unglück beim Zugspitzlauf erinnert: Im Jahr 2008 starben beim zwei Teilnehmer kurz vor dem Ziel an Unterkühlung, neun weitere wurden leicht verletzt. Der Veranstalter wurde deswegen wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, vom Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen aber freigesprochen: Nach Auffassung des Gerichts überwog die so genannte „eigenverantwortliche Selbstgefährdung“ der Teilnehmer, die offenbar in zu leichter Kleidung gestartet waren. Das Gericht hatte bei einer umfangreichen Beweisaufnahme festgestellt, dass der Veranstalter die Teilnehmer ausreichend informiert und gewarnt hatte. Die beiden Verunglückten hatten sich dann aber eigenverantwortlich für zu leichte Kleidung entschieden.

Der Grundsatz: Je größer die Gefahr für den Besucher/Teilnehmer, desto höher sind die Pflichten des Veranstalters an seine Warnung und Aufklärung. Allerdings muss der Veranstalter nicht für jedes Fehlverhalten der ausreichend aufgeklärten Teilnehmer gerade stehen.