News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Noroviren – eine Gefahr für Veranstaltungen?

Von Thomas Waetke 23. Mai 2013

Auf einem US-Luxus-Kreuzfahrtschiff haben vor einigen Tagen von knapp 820 Passagieren 125 über Brechdurchfall geklagt, ebenso 22 Besatzungsmitglieder. Ursache war offenbar der Norovirus. Auf Kreuzfahrtschiffen gab es in der Vergangenheit mehrere massive Fälle mit dem Norovirus, bei dem hunderte Passagiere betroffen waren. Kann das auch bspw. bei einem Konzert passieren?

Wir haben darüber mit Herrn Dr. med. Thomas Menn, Master of Public Health und Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen, Umweltmedizin und Sozialmedizin gesprochen. Herr Dr. Menn ist Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e. V.

 eventfaq: Warum liest man verhältnismäßig oft vom Norovirus auf Kreuzfahrtschiffen?

Dr. Menn: Der Brech-Durchfall, der durch eine Norovirus-Infektion verursacht wird, ist hoch ansteckend und zeigt bei den Betroffenen schwere Krankheitssymptome. Das bedeutet, dass jeder zweite, der mit Noroviren in Kontakt kommt, erkrankt. Die Inkubationszeit (Dauer vom ersten Kontakt mit dem Virus bis zum Ausbruch der Krankheit) beträgt zwischen 6 und 50 Stunden. Es treten schwallartiges Erbrechen, starke Durchfälle, Bauchschmerzen, Muskelschmerzen und weiter Beschwerden wie Kopfschmerzen leicht erhöhte Körpertemperatur und mehr auf.

Diese Krankheitssymptome bleiben für 12 bis 48 Stunden bestehen. Aus diesen Gründen sind bei einem Norovirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff sehr schnell sehr viele Menschen (Passagiere und Personal) betroffen, und oft entstehen dadurch auf einem Kreuzfahrtschiff Probleme mit der Hygiene (Toiletten, Krankenstation), da man nicht auf andere  Bereiche ausweichen kann. Dies ist selbstverständlich medienwirksam, wenn z.B. die Toiletten nicht mehr ausreichend funktionieren, oder auch die Hälfte des Personals erkrankt ist. Im Übrigen sind Erkrankungen mit Noroviren die häufigste Magen-Darm-Erkrankung in Deutschland. Im Jahr 2012 wurden in Deutschland knapp 107.000 Erkrankungen gemeldet. Man kann davon ausgehen, dass nur jeder zweite Patient einen Arzt aufsucht, so dass die Zahl der Norovirus-Erkrankungen deutlich höher ist.

eventfaq: Kann es auch bspw. bei einem Konzert in einer Halle passieren, dass sich Besucher mit einem Norovirus anstecken und erkranken?

Dr. Menn: Das Norovirus wird durch mangelnde Händehygiene nach einem Toilettengang, durch Lebensmittel und durch Tröpfcheninfektion beim Erbrechen übertragen. Der wichtigste Übertragungsweg ist der von Mensch zu Mensch, und deshalb ist auch eine Ansteckung während eines Konzertes möglich. Dabei ist zu beachten, dass die Viren noch bis zu vier Wochen nach einer durchgemachten Erkrankung aus dem Darm mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Insofern ist gute Händehygiene nach dem Toilettengang (gründliches Waschen mit Wasser und Seife) das A und O zur Verhinderung einer Ansteckung. Dies muss auch immer bei der Planung einer Veranstaltung mit bedacht werden, damit in ausreichender Zahl Toiletten mit fließendem Wasser und Seife zur Verfügung gestellt werden. Wenn die Krankheitssymptome während einer Veranstaltung auftreten, so hat sich der Betroffene höchstwahrscheinlich vor dem Konzert angesteckt, ist jetzt aber eine Ansteckungsquelle für seine Umgebung.

eventfaq: Wie sollte ein Veranstalter reagieren, wenn er einen Besucher in seiner Veranstaltung entdeckt, der die vermeintlich typischen Symptome einer ggf. ansteckenden Erkrankung zeigt?

Dr. Menn: Generell werden die Symptome der Norovirus-Erkrankung so schwerwiegend sein, dass der Besucher selbst den nächsten Arzt oder die Sanitätsstation aufsucht. Bei den zu erwartenden und plötzlich auftretenden starken Erbrechen und Durchfall wird kaum jemand die Veranstaltung bis zu Ende besuchen können. Insofern kann ein Veranstalter nur im Vorfeld für ausreichende Hygiene sorgen, siehe soeben, alle anderen Maßnahmen sollten dem medizinischen Fachpersonal überlassen bleiben.

eventfaq: Wenn Sie an die vielen kleineren Veranstaltungen denken, bei denen oftmals Vereinsmitglieder oder ehrenamtliche Helfer das Essen zubereiten und ausgeben: Wären hier mehr Vorgaben vom Gesetzgeber sinnvoll?

Dr. Menn: Die grundsätzlichen Vorgaben des Gesetzgebers sind im Infektionsschutzgesetz  des Bundes in den §§ 42 und 43 geregelt, beziehen sich aber immer auf Personen, die gewerblich mit Lebensmitteln umgehen. Da die Ausführung des Infektionsschutzgesetzes allerdings in die Länderhoheit fällt, obliegt es den örtlichen Überwachungsbehörden (Gesundheitsamt, und Lebensmittelüberwachungs- behörde), wo die Grenze zwischen Ehrenamt und gewerblichem Umgang mit Lebensmitteln gezogen wird. Insofern sollten im Zweifelsfalle immer die kommunalen Überwachungsbehörden in die Planung mit einbezogen werden, da es auch schon vorgekommen ist, dass eine „ehrenamtliche“ Veranstaltung behördlich untersagt wurde. Die Kriterien hierzu legen Landkreis bzw. kreisfreie Stadt fest, und können je nach Region unterschiedlich sein.