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Niederlage für Ticket-Zweithändler vor Gericht

Niederlage für Ticket-Zweithändler vor Gericht

by 9. April 2019

Für viele Veranstalter sind Zweitmarktplattformen für Eintrittskarten ein Ärgernis: Die Händler kaufen massenhaft Tickets auf und verkaufen Sie über diese Plattformen weiter – meist zu extrem überteuerten Preisen.

Nun hat das Landgericht Hannover entschieden, dass das Bereitstellen von Verkaufsangeboten für Eintrittskarten zu einem Preis von mehr als 25 % über dem Normalpreis wettbewerbswidrig ist.

Das Urteil bezieht sich jedenfalls auf solche Eintrittskarten, die mit einem Weiterverkaufsverbot versehen sind und eine Leerzeile für die Eintragung des Karteninhabernamens hat. Selbst wenn die Leerzeile nicht ausgefüllt wird oder das Ausfüllen beim Einlass gar nicht kontrolliert wird, greift das Weiterverkaufsverbot. Und dieses entfaltet eben nach diesem Urteil seine Wirkung in jedem Fall dann, wenn der Weiterverkaufspreis mit über 25 % Zuschlag angeboten wird.

Der Bundesgerichtshof hatte zuvor entschieden, dass einem Eintrittskartenkäufer grundsätzlich nicht verboten werden kann, seine erworbene Karte weiterzuverkaufen.

Bei gewerblichen Händlern gelten grundsätzlich die AGB des Veranstalters, in denen er den gewerblichen Weiterverkauf verbieten kann. Der Bundesgerichtshof hat aber in einem Urteil klargestellt, dass die AGB immer nur im Rahmen eines neuerlichen Vertrages zwischen Veranstalter und Schwarzhändler gelten können. Wenn ein Schwarzhändler beim Kauf seinen Willen nicht deutlich macht, das Ticket nur mit Wiederverkaufsabsicht zu erwerben, dann spricht man wettbewerbsrechtlich von einem Schleichbezug: Denn wenn der Veranstalter den gewerblichen Wiederverkauf verbietet, dann fingiert der Käufer den privaten Kauf. Auch wenn der Veranstalter nicht ausdrücklich nachfragt oder sich der Käufer nicht ausdrücklich äußert, steht so eine Täuschung und damit unlauteres Verhalten im Raum (wenn er die Tickets direkt vom Veranstalter erwirbt).

Die Veranstalter lernen auch dazu, ihre AGB in geeigneter Weise zu formulieren, um den Anforderungen der Gerichte zu genügen, ein wettbewerbswidriges Verhalten der Schwarzhändler zu begründen. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig ausgefeilte AGB bzw. Vertragsformulierungen sein können.

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  • Frau nimmt 50 Euro aus Geldbeutel: © Andrej Korzhyts - Fotolia.com