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88/16 Nachtclub erteilt Fußballspielern Hausverbot

88/16 Nachtclub erteilt Fußballspielern Hausverbot

Von Thomas Waetke 7. März 2016

Ein Nachtclub in Düsseldorf hat den Spielern von Fortuna Düsseldorf Hausverbot erteilt. Der Club schreibt dazu auf seiner Facebook-Seite:

“Wir waren erstklassig schlecht – zweitklassig schlecht, drittklassig schlecht! Man hat mit ihnen gelitten, gezittert und sich selten mit ihnen gefreut. Trotzdem werden wir diesem Fussballclub immer zur Seite stehen. Aber jetzt ist dieses charakterlose Gekicke einfach nicht mehr zu ertragen. Aus diesem Grund haben die Rudas Studios beschlossen, dem gesamten Team der Fortuna Düsseldorf ein temporäres Hausverbot zu erteilen, bis sportliche Leistungen wieder zu erkennen sind.”

Unabhängig vom Ernstlichkeitsgehalt solcher Maßnahmen kann man sagen, dass der Veranstalter grundsätzlich entscheiden darf, wer eingelassen wird und wer nicht. Und das möchte ich in diesem Beitrag kurz erklären:

“Hausrecht” oder Diskriminierung?

Grundsätzlich ist maßgeblich, wer das Angebot auf den Vertragsschluss abgibt: Dann nämlich kann der andere entscheiden, ob er das Angebot annimmt.

Für einen Vertrag (der zwischen Besucher und Veranstalter zustande kommt) sind ein Angebot und eine Annahme notwendig. Das Angebot muss im Regelfall zumindest drei Bestandteile enthalten:

  1. Den Vertragsgegenstand,
  2. den Preis (wobei der bspw. beim Dienstvertrag oder Werkvertrag entbehrlich sein kann; ist ein Preis nicht vereinbart, gilt die übliche Vergütung als vereinbart), sowie
  3. die beiden Vertragspartner.

Bei einer Veranstaltung ist es in den meisten Fällen so, dass der Besucher das Angebot abgibt: Der Veranstalter selbst gibt dabei den Vertragsgegenstand (Veranstaltung), ggf. den Preis und sich selbst als einen der beiden Vertragspartner vor.

Kommt nun den Besucher an den Eingang bzw. an die Kasse, so nimmt er dabei Bezug auf die bereits vorhandenen Bestandteile des Veranstalters: Vertragsgegenstand, Preis und er als Veranstalter. Der Besucher fügt nun den noch fehlenden, zweiten Vertragspartner (nämlich sich selbst, jetzt weiß der Veranstalter erstmals, mit wem er es zu tun hat) hinzu – und damit ist das Angebot vollständig; entsprechend gibt der Besucher das Angebot ab, wenn er Einlass begehrt.

Nun kann der Veranstalter entscheiden, ob er das Angebot dieses Besuchers auch annimmt, Hierbei darf er grundsätzlich frei entscheiden.

Ausnahmen

Anders kann es sein, wenn dem Veranstalter egal ist, wer der zweite (= sein) Vertragspartner ist. Dies ist bspw. der Fall, wenn er sagen würde: Die ersten 100 Leute dürfen rein.

Oder: Der Veranstalter lädt gezielt die Person “Andreas Müller” ein. Dann ist das Angebot des Veranstalter bereits vollständig, und nun kann Andreas Müller entscheiden, ob er die Einladung (= das Angebot) des Veranstalters annimmt.

Juristisch kompliziert kann es hingegen werden, wenn

  • der Besucher im Internet die Karte kauft, und der Veranstalter damit den Besucher nicht “sehen” und bewerten kann, ob er ihn bei sich in der Veranstaltung haben möchte;
  • der Veranstalter seine Hausordnung oder AGB einbeziehen möchte (z.B. dass der Besucher keine Getränke mitbRingen darf.

Keine Diskriminierung!

Die Grenze dieser Freiheit liegt in der Diskriminierung: Der Veranstalter darf den Besucher nicht wegen

  • Religion,
  • Alter,
  • Geschlecht,
  • sexueller Identität,
  • ethnischer Zugehörigkeit oder
  • Behinderung

ablehnen (siehe § 1 AGG), sofern er dafür keinen berechtigten Grund hat (hier sieht das Gesetz dann Ausnahmen vor, z.B. § 20 AGG).

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