News + Aktuelles

aus dem Eventrecht
Nach Unfall in Taiwan: Deutsche Veranstalter wenig auskunftsfreudig

Nach Unfall in Taiwan: Deutsche Veranstalter wenig auskunftsfreudig

Von Thomas Waetke 27. August 2015

Ende Juni hatte es in Taiwan mehrere hundert schwer verletzte Besucher eines Musikfestivals gegeben, als der Veranstalter Farbpulver über die Menge sprühte und dieses plötzlich Feuer fing (wir berichteten). Wir hatten unmittelbar danach mehrere Veranstalter angeschrieben, die auf „Holi“-Events Farbpulver einsetzen bzw. verkaufen, ebenso das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Mit dem Ergebnis sind wir nicht ganz so zufrieden: Von mehreren angeschriebenen Veranstaltern hat nur einer geantwortet: Das dort eingesetzte und verkaufte Farbpulver sei „nicht entzündlich. In Deutschland muss man für das [Pulver] ein Nicht-Explosionsgutachten vorweisen, sonst wird die Veranstaltung und Pulver nicht frei gegeben. Zudem werden zahlreiche andere Test an dem Pulver vorgenommen. Unser Pulver ist vom Bundesministerium für Risikobewertung freigegeben“, so die Aussage des Veranstalters.

Wir hatten daraufhin das „Bundesministerium“ angeschrieben, und bekamen von dort die etwas überraschende Antwort: „Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) prüft grundsätzlich keine Produkte, wie z.B. Holipulver, und erteilt daher auch keine Produktfreigabe.“

By the way: Die Ausführungen des BfR enden mit der Feststellung: „Soweit sich dies unter Berücksichtigung des gegenwärtigen Kenntnisstands beurteilen lässt, ist insgesamt ein erhöhtes gesundheitliches Risiko nicht erkennbar.“ Allerdings scheint sich diese Feststellung (nur) auf die Toxität der Farbstoffe mit Blick auf Lebensmittelfarbstoffe zu beziehen, und explizit nicht auf die Brennbarkeit.

Wir hatten daraufhin den Veranstalter noch einmal kontaktiert, der als einziger überhaupt geantwortet hatte und mit der Antwort des Bundesinstitutes für Risikobewertung konfrontiert, dass das BfR entgegen der ausdrücklichen Behauptung des Veranstalters das Pulver nicht freigegeben habe. Bis heute haben wir hierauf keine Antwort erhalten.

Nun, die Zurückhaltung der Veranstalter kann schlicht am Zeitmangel oder am Desinteresse liegen, oder aber auch daran, dass man selbst vielleicht doch nicht so sehr vom eigenen Pulver überzeugt ist. Da ich eventfaq.de nur neben meinem Beruf als Rechtsanwalt betreibe, fällt es mir nicht so leicht, journalistisch-investigativ und zeitintenstiv die Sache weiterzuverfolgen; aber so ein klein bisschen Ehrgeiz ist schon geweckt, es dauert nur etwas – wir berichten weiter.

Ergänzung:

Unmittelbar nach der Veröffentlichtung dieses Beitrages habe ich mehrere Nachrichten und Informationen bekommen, die wir gerade auswerten.

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Puzzleteil mit Fragezeichen: © Jamrooferpix - Fotolia.com