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aus dem Eventrecht

Nach Unfall auf Flugtag: Ermittlungen gegen Veranstalter

Von Thomas Waetke 19. September 2012

Nach dem Hubschrauberunfall auf einem Flugtag im baden-württembergischen Metzingen, bei dem ein Zuschauer getötet und 5 weitere Personen verletzt wurden (siehe Beitrag 413/12), ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen den Piloten und auch gegen die Veranstalter.

Der Hubschrauberpilot habe übersehen, dass das Gelände, von dem aus er gestartet war, abschüssig ist, so die Polizei. Daher blieb er mit dem Rotor am Boden hängen, Rotorteile schleuderten ins Publikum.

Die zuständige Behörde hatten Presseberichten zufolge den Veranstalter zuvor angewiesen, dass der Hubschrauber von einer anderen Stelle aus starten müsse, da der geplante Startplatz abschüssig sei. Offenbar sei man dieser Vorgabe aber nicht gefolgt.

Daher wenden sich die Ermittlungen nun auch gegen die Veranstalter, konkret gegen den Vereinsvorsitzenden und den Organisator des Flugtages.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Sollte sich herausstellen, dass der Vorsitzende und der Organisator den Piloten auf den verlegten Startplatz hingewiesen hatten und der Pilot quasi entgegen dem Veranstalterwillen dann doch vom ursprünglichen Startplatz losgeflogen ist, dann könnte man wohl dem Veranstalter keinen Vorwurf machen. Aber: Offenbar startete der Hubschrauber am Vortag auch schon von diesem Startplatz aus, ohne dass etwas passiert war. An sich hätte dann der Veranstalter spätestens hier reagieren müssen.

Haben Veranstalter und Pilot die Vorgabe der Behörde aber nicht beachtet, dürfte es für die drei eng werden: Sie können sich dann nicht mehr mit dem Argument herausreden, sie hätten das abschüssige Gelände gar nicht bemerkt. Es hängt dann von den konkreten Umständen ab, ob man den Verantwortlichen dann sogar Vorsatz unterstellen kann: Vorsätzlich handelt nämlich (auch) derjenige, der einen Schaden billigend in Kauf nimmt, also die Gefahr kennt, aber meint, „das wird schon gut gehen“.

Eine Vorsatztat führt nicht nur zu einer deutlich empfindlicheren Strafe als eine Fahrlässigkeitstat; zudem kann die Haftpflichtversicherung den Schadensausgleich verweigern.

Außerdem: Jeder Vereinsvorsitzende sollte an dieser Stelle merken, wie schnell er sich selbst persönlich einem Risiko aussetzt. Bei vielen Vereinsveranstaltungen ist den oftmals ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern gar nicht bewusst, welches Risiko sie eingehen. Nur, damit das Fest möglichst schön und erfolgreich wird, darf keinesfalls die Sicherheit der Veranstaltung außer Acht gelassen werden! Denn dafür ist im Vereinsleben letztlich der Vorsitzende in der Verantwortung.