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aus dem Eventrecht

Nach Brasilien: Sind deutsche Diskos sicher?

Von Thomas Waetke 29. Januar 2013

Weitere Ermittlungen kennzeichnen ein unschönes Bild nach der Brandkatastrophe bei einer Studentenparty in Brasilien:

So soll ein Bandmitglied noch versucht haben, das Feuer zu löschen, wobei aber offenbar der Feuerlöscher nicht funktioniert hatte. Zudem scheinen viele Besucher beim Versuch, schnell aus der Disko zu gelangen, eine Tür zu den Toiletten mit dem Ausgang verwechselt zu haben.

Die Zahl der Todesopfer wird zwischenzeitlich mit 233 angegeben.

Dass der Sicherheitsdienst die flüchtenden Besucher anfangs nicht herauslassen wollte (siehe hier), gilt zwischenzeitlich als sicher. Offenbar hatte der Sicherheitsdienst gar nicht bemerkt, dass ein Feuer ausgebrochen war, sondern man dachte wohl an eine Schlägerei (siehe meinen Kommentar dazu hier).

Nach der Brandkatastrophe in Brasilien melden sich deutsche Veranstalter und Fachleute zu Wort, die erklären, dass derlei Katastrophen in Deutschland nicht würden passieren können. Alles sei sicher, ist man sich sicher. Das Argument: In Deutschland gibt es bessere Brandschutzvorschriften, außerdem ist die Betriebserlaubnis der Versammlungsstätte an die Einhaltung der Vorschriften gebunden.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Schön und gut, aber was bringen die besten Vorschriften, wenn man sie nicht umsetzt? Vorschriften sind immer nur dann auch gut, wenn sie umgesetzt werden. Wenn aber der Betreiber dann doch den Notausgang zusperrt oder durch Gegenstände zustellt oder die Feuerlöscher nicht prüft oder doch unerlaubt Pyrotechnik einsetzt oder oder oder… dann bringen auch die Vorschriften nichts. Und es gibt dann doch die eine oder andere genehmigte Versammlungsstätte, deren Betrieb gar nicht hätte genehmigt werden dürfen.

Meine Erfahrung zeigt, dass eine Vielzahl von Vorschriften den meisten Verantwortlichen überhaupt nicht bekannt ist, und viele Verantwortliche lieber mehr Wert auf tolle Musik und schöne Dekoration legen, als auf Brandschutz und Sicherheit.

Immerhin aber: Der Standard in Deutschland ist tatsächlich hoch, seit vielen Jahren sind wir von schweren Brandkatastrophen auf Veranstaltungen verschont geblieben. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass Brandkatastrophen wie in Brasilien in Deutschland niemals passieren könnten, wie folgende Beispiele zeigen:

  • 63 Verletzte in Brühl / Deutschland, 2001:

In einer Achterbahn eines Freizeitparks bricht ein Feuer aus; 150 Besucher entkommen nur knapp dem Tod.

  • 12 Verletzte in Herford / Deutschland, 2001:

In einer Diskothek wird ein Feuer offenbar durch einen Kabelbrand in der Lüftungsanlage ausgelöst.

  • 6 Verletzte in Hallbergmoos / Deutschland, 2012:

Bei einem Feuer in einer Toilette der Gemeindehalle ziehen sich Besucher eine Rauchvergiftung zu, die das Feuer gelöscht hatten.

  • 3 Verletzte in Köln / Deutschland, 2009:

Ein Feuer mit unbekannter Ursache im Bereich der Tanzfläche, 180 Besucher werden evakuiert.

  • 2 Verletzte in Oberhausen / Deutschland, 2013:

Bei einem Feuer, das durch eine Silvesterrakete ausgelöst wird, brennt eine Gaststätte mit Reetdach ab

  • 2 Verletzte in Bad Segeberg / Deutschland, 2011:

Bei einer Aufführung in einer Kirche fängt das Kostüm eines Mädchens Feuer. Ein Kirchenbesucher erstickt das Feuer mit seiner Jacke. Das Mädchen erleidet schwere Brandverletzungen, der Helfer wird leicht verletzt.

  • 2 Verletzte in Trier / Deutschland, 2010:

Feuer bei Studentenparty, Evakuierung der 400 Besucher trotz zweier Verletzter erfolgreich.

Daneben gibt es eine Reihe von Unfällen mit Flüssiggas – auch hier gibt es klare Vorschriften zum Betrieb und Lagern von Gasflaschen, weshalb nichts passieren dürfte…? Doch, bspw. wenn der Mensch diese Vorschriften nicht einhält, z.B. auch weil er sie schon gar nicht kennt.