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164/18 Mitverschulden bei unüblicher Gefahrenquellen

164/18 Mitverschulden bei unüblicher Gefahrenquellen

by 26. Juni 2018

Wenn einer eine Grube gräbt… dieses Sprichwort passt zu einem Fall, der vor dem Oberlandesgericht Hamm entschieden wurde: In einem Geschäft stürzte eine Besucherin in eine 2 qm große Luke, deren Deckel geöffnet war und verletzte sich schwer. Sie wollte vom Betreiber Schadenersatz, der aber meinte, die Frau hätte besser aufpassen müssen.

Überraschende Gefahrenstelle

Das OLG Hamm sah aber (anders noch das Landgericht in der 1. Instanz) keinerlei Mitverschulden bei der Frau:

Die Aufmerksamkeit der Kunden war – gewolltermaßen – zielgerichtet durch die auf den Kleidungsständern angebotenen Waren, Preisschilder usw. Der Kunde muss möglicherweise mit Stolperstellen rechnen durch heruntergefallene Kleidungsstücke, nicht aber mit einem Loch im Boden: Diese Gefahrenquelle ist derart unnormal und überraschend, dass der Verkehrssicherungspflichtige die Luke nur öffnen darf, wenn sich keine Fremden im Raum befinden oder das Loch ausreichend gesichert sei.

Also:

Die Anforderungen an den Besucher, selbst “mitzudenken” und aufzupassen, reduziert sich, wenn die Gefahrenstelle völlig überraschend besteht, man also gar nicht mit solch einer Gefahrenstelle rechnen muss.

Daran denken: Die Anforderungen steigen aber, wenn die Gefahrenstelle für sich gesehen problemlos erkennbar, aber unübersichtlich ist – dann darf man nicht einfach mit gewohntem Tempo weitermarschieren, sondern muss sich entsprechend vorsichtig bewegen.

Und: Der Veranstalter sollte darauf achten, in der Nähe von besonderen Gefahrenstellen den Besucher nicht unnötig abzulenken, bspw. durch Monitore, aufmerksamkeitsheischendes Licht, Verkaufsbuden usw.

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Achtung Stolperkante: © fottoo - Fotolia.com