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aus dem Eventrecht

Millionen für vergessenen Taucher

Von Thomas Waetke 25. Oktober 2010

Ein Hobbytaucher aus den USA, der bei einem Tauchausflug vergessen und nur durch Zufall von einem Boot gerettet wurde, hat bei einer Schadenersatzklage 1,7 Million Dollar zugesprochen bekommen. Die Mannschaft des Ausflugbootes hatte erst Stunden später gemerkt, dass einer der Teilnehmer fehlen würde, der 5 Stunde alleine im Wasser trieb, bevor er durch ein zufällig vorbeifahrendes Boot gerettet wurde.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Im Deutschen Recht wäre das eine klassische Aufsichtspflicht– bzw. Verkehrssicherungspflichtverletzung: Wenn ein Veranstalter eines Ausfluges mehrere Teilnehmer hat, so muss er auch Maßnahmen treffen, dass alle Teilnehmer auch immer noch vorhanden sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Tauchausflug, ein Betriebsausflug oder eine Radtour usw. handelt. Je gefährlicher der Ausflug, desto höher sind die Anforderungen an den Veranstalter an diese Maßnahmen.

Setzt der Veranstalter einen Gehilfen ein, bspw. einen Guide vor Ort, dann haftet der Veranstalter für dessen Fehlverhalten (bspw. weil der dann die Maßnahmen unterlässt) grundsätzlich mit (vgl. dazu unseren Beitrag Achtung bei der Auswahl von Dienstleistern).

Wird durch einen Verstoß gegen diese Pflichten ein Teilnehmer verletzt, so hat er Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld, allerdings würde er in Deutschland nicht 1,7 Million Dollar (ca. 1,2 Million Euro) bekommen. Selbst wenn dem Verletzten kein richtiger Schaden entstanden ist, hätte er Anspruch auf Schmerzensgeld, da ja bspw. der Taucher im eingangs genannten Fall durchaus Todesangst hat ausstehen müssen; hier würde ein Gericht schätzen müssen, was eine 5-stündige Todesangst „wert“ ist.