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aus dem Eventrecht

Massenschlägerei mit 100 Beteiligten, oder Schubserei mit 5?

Von Thomas Waetke 18. Juni 2014

Die Public-Viewing-Veranstaltungen zum Spiel Deutschland gegen Portugal sind alle ohne nennenswerte Probleme verlaufen – lediglich die Veranstaltung in Essen fiel dabei auf, allerdings durch eine Falschmeldung der Presse: Zunächst meldete die Polizei, dass es eine Schlägerei vor der Grugahalle gegeben habe und ca. 100 Menschen kurzfristig in Streit geraten waren; die dpa verbreitete dann, dass sich 100 Menschen nach dem Public Viewing stritten und schlugen, und prompt machte die Meldung einer Massenkeilerei die Runde. Tatsächlich soll es aber doch nur eine Handvoll Personen gewesen sein, die sich in die Wolle bekommen hatten. Für den Veranstalter kann das sehr ärgerlich sein:

Der Veranstalter findet das nun gar nicht lustig und auch die CDU-Fraktion in Essen beklagt einen Imageschaden für die Stadt. Tatsächlich fürchtet der Veranstalter, dass bei künftigen Übertragungen weniger Zuschauern kommen könnten, weil diese Angst vor Ausschreitungen haben könnten.

Falsche Meldungen in der Presse können ein Unternehmen bis in den Ruin treiben. Daher sieht das Presserecht nicht nur die Freiheit der Presse vor, sondern auch Abwehrmöglichkeiten gegen eine „zu freie“ Presse. Dies ist bspw. der Fall bei Falschmeldungen: verbreitet die Presse falsche Tatsachenbehauptungen, kann der Betroffene bspw. eine Richtigstellung verlangen.

Dabei ist aber immer gut zu überlegen, ob es sinnvoll ist, presserechtliche Ansprüche durchzusetzen: Oftmals ist es nämlich besser, die Falschmeldung einfach auf sich beruhen zu lassen, ganz nach dem alten Erfahrungswert: Einmal gelesen wird schnell vergessen, zweimal gelesen merkt sich der Leser.

Zudem muss die Falschmeldung unterschieden werden von der zulässigen Meinungsäußerung, so kann selbst due Formulierung „Herr X ist ein Betrüger!“ eine zulässige Meinungsäußerung sein, wenn Herr X strafrechtlich gar keinen Betrug begangen hat.