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aus dem Eventrecht

Lügen erlaubt?

Von Thomas Waetke 30. September 2010

Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von „www.apotheken-umschau.de“ sind mehr als vier von zehn Deutschen (42,3 %) der Ansicht, im Arbeitsleben müsse man zu Karrierezwecken „schon mal zu einer Lüge greifen“. Sonst – so die Meinung – könne man sich gegen die Konkurrenz einfach nicht durchsetzen. Männer sind dabei etwas skrupelloser als Frauen (Männer: 44,7 %; Frauen: 39,9 %). Doch am meisten verbreitet ist die „Schwindeln-für-die-Karriere“-Methode offenbar in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen. Hier sagt jeder Zweite (49,1 %), ohne Lügen komme man im Berufsleben einfach nicht weiter.

Quelle: Eine repräsentative Umfrage des Gesundheitsportals „www.apotheken-umschau.de“, durchgeführt von der GfK Marktforschung Nürnberg bei 2047 Personen ab 14 Jahren, darunter 1054 Frauen und 993 Männer.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Man kann es kaum glauben, aber auch aus dieser Meldung kann man noch einen sinnvollen Kommentar stricken. Was kann „lügen“ rechtlich bedeuten? Wann darf gelogen werden?

1. Arbeitsrecht: Im Bewerbungsgespräch

Im Bewerbungsgespräch darf am ehesten gelogen werden. Auf unerlaubte Fragen darf auch unerlaubt geantwortet werden. Eine grundsätzlich unerlaubte Frage im Bewerbungsgespräch ist z.B.: „Gehören Sie einer Gewerkschaft an?“ oder „Sind Sie vorbestraft?“ oder „Sind Sie schwanger?“. Diese Fragen wären nur dann erlaubt, wenn der Arbeitgeber ein essentielles Interesse daran hat. Beispiel: Eine Bank darf wissen, ob ein neuer Angestellter die letzten Jahre wegen Bankraubes im Gefängnis gesessen hat. In den meisten Fällen aber sind solche Fragen schon nicht erlaubt; der Bewerber muss dann nicht auf die Unzulässigkeit der Frage hinweisen, sondern darf ohne rot zu werden und ungestraft die Unwahrheit sagen.

2. Im Kundenkontakt

Vorsicht ist geboten bei Vertragsverhandlungen mit dem Kunden. Normalerweise will man seinen Kunden ja nicht bewusst anlügen; viel häufiger aber behauptet man einfach mal etwas „ins Blaue hinein“. Beides kann dazu führen, dass der Kunde seine Willenserklärung (die zum Vertragsschluss führt) wegen arglistiger Täuschung § 123 BGB) anfechten kann. Dies kann u.a. zu einer unangenehmen Schadenersatzpflicht führen. Immerhin kann der Kunde auch noch 1 Jahr, nachdem er die Täuschung bemerkt hat, anfechten.

Im Kundenkontakt müssen gestellte Fragen auch korrekt beantwortet werden.

Problematisch wird es bei den „nicht gestellten“ Fragen des Kunden: Der Kunde stellt eine wichtige Frage nicht, da er aufgrund seines mangelnden Fachwissens gar nicht weiß, dass er sie stellen müsste. Auch hier müssen Sie ggf. „antworten“, auch wenn keine Frage gestellt wurde – also aufklären. Wann das der Fall ist, können Sie sich wie folgt grob merken:

  • Je größer das Wissensgefälle zwischen Ihnen und Ihrem Kunden ist, desto eher müssen Sie auch ungefragt aufklären.
  • Je mehr der Kunde darauf vertrauen durfte, dass er durch Sie als Fachmann aufgeklärt wird, desto eher müssen Sie auch aufklären.

Wichtig dabei: Auch hier darf nicht gelogen oder „ins Blaue hinein“ aufgeklärt werden.