News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Loveparade: Weitere Details aus der Anklage

Von Thomas Waetke 12. März 2014

Nachdem die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen mehrere Verantwortliche der Loveparade-Katastrophe 2010 in Duisburg erhoben hat, werden immer mehr Details aus der Anklage und der ca. 37.000 seitigen Ermittlungsakte zu Tage. Wie BILD.de berichtet, wird bspw. dem damaligen Stadtentwicklungsdezernten und einer Amtsleiterin vorgeworfen, schon die Möglichkeiten zur Überprüfung der Genehmigungsauflagen verhindert zu haben:

Sie sollen den städtischen Mitarbeitern für den Veranstaltungstag frei gegeben haben. Dem damaligen Stadtentwicklungsdezernten könnte zudem ein früherer Aktenvermerk zum Verhängnis werden: Hierin lehnte er „aufgrund der Problemstellung eine Zuständigkeit und Verantwortung“ ab – warum er dann später, als die Zuständigkeit auf das Bauamt überging (weil ein Zaun um die Veranstaltungsfläche gestellt wurde), die Loveparade plötzlich so toll und gar nicht mehr kritisch fand, wird nun zu klären sein. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hätte er nämlich die Durchführung verhindern müssen. Auf BILD.de findet sich ein weiteres makaberes Zitat des damaligen Stadtentwicklungsdezernenten: Er würde nicht für die Kontrolle, sondern „erst nach Eintreten eines Unglücksfalles“ zur Verfügung stehen…

Die Anklageschrift wurde nun auch den Beschuldigten zugestellt. Mit einer Entscheidung durch das Gericht, ob das Verfahren eröffnet wird, wird nicht vor Sommer gerechnet. Vorsorglich wurde aber bereits eine Halle in Düsseldorf angemietet. Sollte das Verfahren eröffnet werden, wird es vermutlich ein gigantischer Mammutprozess werden, der die Justiz an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit bringen wird: Nicht nur 10 Angeklagte nebst ihren Verteidigern wären dabei, es haben auch bereits 41 Geschädigte einen Antrag auf Zulassung der Nebenklage gestellt, zudem gibt es bereits 49 Anträge auf Zulassung so genannter Adhäsionsverfahren (darin geht es bereits im Strafverfahren um Schadenersatzansprüche, die normalerweise komplett getrennt in Zivilverfahren geltend zu machen sind).