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aus dem Eventrecht

Künstler verweigert Auftritt

Von Thomas Waetke 21. April 2011

Oft ist ein Veranstalter den Allüren des von ihm teuer eingekauften Künstlers ausgesetzt – der eine verschwindet nach wenigen Minuten schon wieder von der Bühne, der andere tritt erst gar nicht auf.

Ende letzten Jahres meinte die rumänische Sopranistin Angela Gheorghiu auch mal, ihre Allüren heraushängen lassen zu müssen. Das Ergebnis: Die Zuschauer im Royal Opera House in London warteten vergeblich, Madame war angeblich kurzfristig erkrankt.

Was kann ein Veranstalter in solchen Fällen tun?

Gemeint sind damit nicht solche Fälle, in denen der Künstler aus wichtigem Grund die Bühne verlassen muss (z.B. weil er angegriffen wird oder die Sicherheit der Besucher auf dem Spiel steht; siehe unsere News Gedränge führt zum Abbruch von Iron Maiden-Konzert) oder wirklich krank ist.

Was passiert, wenn der Künstler aus Unlust nicht auftritt?

Der Künstler (ggf. vertreten durch das Management) und der Veranstalter haben einen Vertrag geschlossen. Wenn der Künstler aus Unlust nicht auftritt, erfüllt er seinen Vertrag nicht.

Folge 1: Der Veranstalter kann die bereits bezahlte Gage zurückverlangen bzw. muss die Gage nicht bezahlen.

Folge 2: Der Veranstalter kann Schadenersatz vom Künstler verlangen (§ 280 Abs. 1 BGB), bspw. wenn Besucher das Konzert verlassen und vom Veranstalter den Eintrittspreis wieder zurückhaben wollen.

Übrigens darf der Künstler keine unwesentlichen Probleme zum Anlass nehmen, um seine Leistung zu verweigern: Hat der Künstler bspw. als Catering Bandnudeln bestellt und bekommt Spagetti serviert, so ist das eine nur unwesentliche Neben- pflichtverletzung des Veranstalters, die den Künstler nicht dazu berechtigen, die von ihm versprochene Hauptleistung „Auftritt“ zu verweigern.

Wenn, dann müsste der Veranstalter schon eine Hauptpflicht verletzen:

Dies wäre z.B. der Fall, wenn der Veranstalter die Gage nicht bezahlt, obwohl Vorkasse vereinbart war. Jetzt kann der Künstler den Auftritt folgenlos verweigern. Formal handelt es sich dabei um einen Rücktritt durch den Künstler (siehe § 323 BGB). Er behält aber seinen Anspruch auf die Gage gegen den Veranstalter, d.h. der Veranstalter hat ein Problem wegen der ausgefallenen Show, muss aber dennoch die Gage bezahlen.

Unter Umständen kann auch die Verletzung einer wesentlichen Nebenpflicht dazu führen, dass der Künstler seine Leistung verweigern darf, das hängt dann aber vom Einzelfall ab.