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aus dem Eventrecht

KSC muss 1,5 Millionen zahlen

Von Thomas Waetke 28. Januar 2010

Der badische Fußballverein KSC muss an einen Vermarkter 1,5 Million Euro bezahlen, der dem KSC einige Jahre zuvor Geld geliehen und dafür Vermarktungsrechte erhalten hat. Es entstand ein Streit darüber, wie verschiedene Vertragsklauseln zu verstehen sind. Der KSC meint, aufgrund des Vertragswortlautes müsse er nichts mehr bezahlen. Der Vermarkter dagegen meint, dass der Vertrag zwischenzeitlich verschiedene Erweiterungen erfahren habe und ihm dadurch ein Zahlungsanspruch zustünde.

Das Gericht hat nun – und daher ist dieses Urteil ganz interessant – festgestellt:

  • Der Wortlaut des Vertrages würde dafür sprechen, dass der KSC nichts bezahlen müsse.
  • Aber: Da der KSC und der Vermarkter jahrelang Abweichungen von diesem Vertragswortlaut „gelebt“ hatten, sprich auch früher vom Vertrag abgewichen sind, muss sich der KSC an diese auch von ihm mitgetragenen Änderungen des Vertrages festhalten lassen. Niemals zuvor habe der KSC Zweifel an dieser Handhabung geäußert, die vom Vertragswortlaut abweicht. Somit darf nicht mehr allein auf den genauen Wortlaut abgestellt werden, sondern es muss das frühere Verhalten beider Parteien berücksichtigt werden.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Letztlich ist das Urteil keine große Überraschung: Wenn ein Vertrag geschlossen wurde, dann gilt natürlich dessen Inhalt. Wird aber der Inhalt im Nachhinein durch das Verhalten der Vertragspartner aufgeweicht oder verändert, dann darf man sich später nicht mehr auf die ursprüngliche wortgenaue Fassung berufen. Maßgeblich ist dann zusätzlich zum ursprünglichen Wortlaut das, was beide Vertragspartner später einvernehmlich geändert haben.

Beachten Sie daher: Man sollte wissen, was in seinem Vertrag drinsteht. Weicht man einvernehmlich hiervon ab, dann gilt grundsätzlich diese Veränderung. Das Abweichen kann natürlich auch unbewusst passieren, weil man sich vielleicht gar nicht mehr daran erinnern kann, was man damals schriftlich vereinbart hat.