News + Aktuelles

aus dem Eventrecht

Kriminalität im Unternehmen

Von Thomas Waetke 5. Juni 2013

Eine Studie der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat ergeben, dass mittelständische Unternehmen so gut wie keine Maßnahmen gegen wirtschaftkriminelle Delikte treffen. Was dabei völlig unterschätzt wird, offenbart die Studie:

Jeder zweite Täter kommt aus dem eigenen Unternehmen. Die KPMG-Studie vermutet dahinter die in vielen Betrieben vorherrschende Vertrauenskultur, Überwachungs- maßnahmen und -vorkehrungen gebe es selten.

Bei den Delikten stehen Diebstahl/Unterschlagung mit 65%, Betrug mit 37% und Datendiebstahl mit 31% an der Spitze.

Außerdem: 4 von 5 Unternehmer schätzen der Studie zufolge die Gefahren für ihren Betrieb falsch bzw. zu gering ein. Dabei liegt der hochgerechnete Gesamtschaden pro Jahr bei ca. 20 Milliarden Euro.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Das Thema ist für jeden Betrieb wichtig; gerne wird es verdrängt, weil man seine Mitarbeiter nicht unter Generalverdacht stellen möchte. Doch darum geht es auch gar nicht. Vielmehr geht es darum, den Betrieb vor einzelnen Tätern zu schützen, um damit auch diejenigen Mitarbeiter zu schützen, die sich rechtmäßig verhalten.

Verbreitete Delikte im Veranstaltungsbereich sind auch der Diebstahl bzw. die Unterschlagung insbesondere im Cateringbereich, von technischen Kleinmitteln aber auch der Diebstahl von Kundendaten.

Vor einer Weile hat mir ein Mandant eine „Vereinbarung“ vorgelegt, die er sich von jedem Mitarbeiter unterschreiben lasse. Darin heißt es in etwa: Bei Diebstählen, Unterschlagungen oder sonstigen Straftaten, die dem Betrieb einen Schaden verursachen, wird der Schaden dem Mitarbeiter vom Lohn abgezogen. Kann der Täter nicht festgestellt werden, wird der Schaden auf alle Mitarbeiter umgelegt.

Hm. Ein Mitarbeiter könnte so etwas natürlich bedenkenlos unterschreiben, da es rechtlich unwirksam wäre (und eine Unterschrift das Unwirksame nicht wirksam macht). Denn:

Begeht ein Mitarbeiter eine Straftat und verursacht einen Schaden, dann muss er dem Arbeitgeber diesen Schaden ersetzen, jedenfalls wenn er vorsätzlich gehandelt hatte. Hat er lediglich grob fahrlässig gehandelt, müsste er nur einen Anteil ersetzen. So etwas muss man also nicht besonders regeln, das gilt schon automatisch im Arbeitsverhältnis.

Was nicht geht: Bei einem unbekannten Täter darf der Schaden natürlich nicht auf alle umgelegt werden – Sippenhaft gibt es in Deutschland nicht.

Im Übrigen kann ein Arbeitgeber auch bei Beschäftigten, die mit Bargeld zu tun haben, nicht automatisch Schadenersatz verlangen, wenn Geld in der Kasse fehlt. Lesen Sie hierzu unseren Beitrag zur Mankohaftung.

Im Übrigen darf der Arbeitgeber nicht einfach so eine Videoüberwachung vornehmen, ebenfalls darf er nicht einfach so bspw. ausgehende E-Mails mitlesen oder Taschen durchsuchen. Gerade auch mit Blick auf den Datendiebstahl, für den der „Dieb“ kein großes Auto mehr zum Wegschaffen benötigt, spielen gute Formulierungen im Arbeitsvertrag eine wichtige Rolle.