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aus dem Eventrecht

Konzertabsage nach Ärger mit Bodyguards

Von Thomas Waetke 14. Mai 2012

Nach Problemen mit den Bodyguards von Bushido hat der Konzertveranstalter OWL-Konzerte die beiden letzten Konzerte in Erfurt und Flensburg abgesagt.

Nach einem Konzert soll es zu einer Auseinandersetzung mit Bushidos Sicherheitsleuten gekommen sein, die der Veranstalter als „schwerwiegenden Vorfall“ bezeichnet hatte, bei dem angeblich die Mitarbeiter des Veranstalters „erheblich“ gefährdet worden seien. Daher seien nicht nur die beiden letzten Konzerte abgesagt, sondern auch alle Verträge beendet worden.

Die Besucher, die bereits Eintrittskarten für Erfurt und Flensburg gekauft haben, können diese nun wieder zurückgeben.

Vor wenigen Tagen war bereits ein Konzert in Siegen abgesagt worden, auch hier soll es bereits Probleme gegeben haben. Eine Anfrage dazu an Bushidos Management konnte bislang per Mail nicht zugestellt werden.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Grundsätzlich gehen Veranstalter und Künstler einen Vertrag ein, der sie bindet.

Idealerweise sieht der Vertrag bereits Kündigungs- oder Beendigungsmöglichkeiten vor, da es immer zwischen Veranstalter und Künstler zu Unstimmigkeiten kommen kann.

Wenn der Vertrag keine Regelung dazu vorsieht, gelten die gesetzlichen Regelungen:

  • Kündigung aus wichtigem Grund (§ 626 BGB). Dann muss es sich aber um einen Dienstvertrag handeln, was bei Verträgen zwischen Veranstalter und Künstler nicht immer der Fall ist (es kann auch ein Werkvertrag sein).
  • Kündigung eines „Dauerschuldverhältnisses“ aus wichtigem Grund (§ 314 BGB) gekündigt werden. Ob ein Tourvertrag aber ein „Dauerschuldverhältnis“ im Sinne dieser Vorschrift ist, ist fraglich, und kommt allenfalls nur bei längeren Touren in Frage.
  • Kündigung bei einem Werkvertrag (§ 649 BGB): Handelt es sich beim Vertrag zwischen Veranstalter und Künstler um einen Werkvertrag, ist dies die dort einzige Kündigungsmöglichkeit für den Veranstalter.
  • Rücktritt wegen Unzumutbarkeit (§ 324 BGB in Verbindung mit § 241 Abs. 2 BGB): Verletzt ein Vertragspartner seine Rücksichtspflicht, und ist dem anderen Vertragspartner deshalb ein Festhalten am Vertrag nicht mehr zumutbar, kann er vom Vertrag zurücktreten.

Sofern sich die beiden nicht einvernehmlich einigen, müsste nach einer Kündigung geklärt werden, wer die Kündigung verursacht hat, sprich, wer dem anderen die weitere Zusammenarbeit unzumutbar gemacht hat, so dass er gezwungen war, den Vertrag zu beenden.

Dies ist eine Frage des Einzelfalls. Grundsätzlich sollte jeder, bevor er die rote Karte „Vertragsbeendigung“ zieht, prüfen, ob er rechtlich korrekt handelt. Vorschnelle Kündigungen könnten nämlich auch einen Schadenersatzanspruch des Gekündigten auslösen.