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aus dem Eventrecht

Konzertabbruch wegen Filmaufnahmen

Von Thomas Waetke 4. Juni 2013

Der Pianist Krystian Zimerman hat sein Konzert am Montag Abend in Essen abgebrochen. Als Begründung dafür gab er an, dass ein Zuschauer seinen Auftritt unerlaubt mit einem Smartphone filmte. Nachdem er den Zuschauer gebeten hatte, dies zu unterlassen, dieser aber offenbar weiterfilmte, verließ der Künstler mitten in einem Stück die Bühne.

Später erklärte er, dass die „Vernichtung der Musik“ durch YouTube „enorm“ sei, setzte kurz darauf aber sein Konzert noch fort, unterließ aber die vom Publikum geforderte Zugabe.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Zunächst: Der unerlaubte Mitschnitt eines Konzerts ist tatsächlich verboten (siehe § 53 Abs. 7 UrhG), und zwar gleichgültig, ob man es privat oder kommerziell macht.

Daher kann der Künstler, aber auch der Veranstalter, tatsächlich verlangen, dass weder gefilmt noch fotografiert wird. Genau genommen müsste er es gar nicht „verlangen“, da der Zuschauer ja schon gar nicht erst filmen oder fotografieren darf.

Auf der anderen Seite: Es ist fraglich, ob ein Künstler sein Konzert abbrechen darf, nur weil ein Zuschauer den Auftritt filmt. Das wäre nämlich nichts anderes als Sippenhaft für die anderen 99,99 % Zuschauer, die Eintrittsgeld bezahlt haben und nichts dafür können, dass ein Einzelner filmt.

Würde der Künstler also tatsächlich gehen und das Konzert nicht mehr fortsetzen, so könnten die Besucher von ihrem Vertragspartner, dem Veranstalter, den Eintrittspreis zurückfordern: Je früher nach Konzertbeginn der Abbruch erfolgt, desto eher muss auch der volle Eintrittspreis zurückerstattet werden.

Der Veranstalter könnte dann gegenüber dem Künstler Schadenersatz fordern, da der seinen Vertrag (= Auftritt) nicht erfüllt hat. Ein einzelner Zuschauer, der filmt, berechtigt nicht zur Nichterfüllung der vertraglich geschuldeten Leistung. Auch ist es dem Künstler ja nicht unmöglich oder unzumutbar, sein Konzert fortzusetzen.