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278/17 Kollaps des Sicherheitsystems: Wo beginnt das Restrisiko?

278/17 Kollaps des Sicherheitsystems: Wo beginnt das Restrisiko?

5. Oktober 2017

Nach dem Attentat auf ein Country-Festival in Las Vegas (USA) mit 59 Toten und über 500 Verletzten haben wir einige Zuschriften mit der Frage erhalten, ob den Veranstalter in solchen Fällen eine Verantwortung treffen kann – oder ob er hierfür zumindest Vorbereitungen treffen müsste.

Nun, pauschal beantworten kann man das nicht ohne Weiteres: Es kommt, wie so oft, darauf an.

Grundsätzlich muss ein Veranstalter „nur“ das tun, was notwendig und zumutbar ist, um seine Besucher zu schützen. Der Maßstab ist dabei der durchschnittlich informierte und aufmerksame Besucher: Erwartet er gewisse Sicherheitsmaßnahmen vom Veranstalter?

In Las Vegas hat es einen Angriff auf die Besucher gegeben von einem gegenüberliegenden, also außerhalb der Location liegenden Hotel; von dort hat der Attentäter aus einer Entfernung von ca. 350 Metern mit mehreren Schusswaffen tausende Schuss auf die Besucher abgefeuert.

Allgemeines Lebensrisiko

Es dürfte auf der Hand liegen, dass ein Veranstalter gegen derlei Angriffe machtlos ist. Welche Maßnahmen könnte denn ein Veranstalter sinnvollerweise treffen, um solche Angriffe zu verhindern? Die wird es sicherlich nicht, jedenfalls nicht im zumutbaren Rahmen, geben. Auch ein Besucher wird nicht erwarten, dass er seitens des Veranstalters gegen solcherlei extreme Attacken geschützt würde.

Solcherlei Risiken gehören zum allgemeinen Lebensrisiko eines jeden Besuchers und Mitwirkenden.

Letztlich muss man auch feststellen: Ein Besucher kann nicht ohne Weiteres erwarten, dass er auch einer Veranstaltung besser vor von außen kommenden Gefahren geschützt ist als wenn er sich sonst in der Öffentlichkeit oder auch zu Hause bewegt. Der Veranstalter ist grundsätzlich allenfalls für die veranstaltungsimmanenten Risiken verantwortlich (und selbst dabei nur im Rahmen des Notwendigen und Zumutbaren) – und eben nicht für jedes denkbare Risiko.

Auch tauchte die Frage auf, ob der Veranstalter zumindest für die nachsorgenden Maßnahmen zuständig sei und Vorkehrungen treffen müsse, um nach einem solchen Angriff Hilfe leisten zu können.

Das mag in gewissen Fällen, die für den Veranstalter vorhersehbar und erwartbar sind, zutreffen.

Kollaps des Systems?

In Las Vegas aber ist die Situation dermaßen eskaliert, dass sich die Frage stellt, welche Vorkehrungen der Veranstalter „für die Zeit danach“ hätte wirksam treffen sollen. Denn: Wenn tausende Schüsse kreuzquer auf 22.000 Besucher und Mitarbeiter abgefeuert werden, dann kann es auch für das eingesetzte Personal kaum zumutbar sein, Stellungen zu halten oder zu beziehen. In Presseberichten haben Augenzeugen und Betroffene die Vorkommnisse geschildert: Einige mutige Helfer berichteten, dass sie früher bspw. beim Militär im Kriegseinsatz gedient hätten und auf derart extreme Situationen trainiert worden seien; d.h. dass sie auch psychisch entsprechend vorbereitet schienen, trotz der extremen Situation noch helfen zu können. Kann man das aber auch von einem normalen Ordner oder Mitarbeiter verlangen? Auch das wird man schwerlich erwarten können. Es gibt einfach Hyper-Eskalationen, die nicht (mehr) zum Pflichtenkreis des Veranstalters gehören.

Es mag sein, dass nun manche behaupten werden, doch, Sicherheitsmaßnahmen müssen immer funktionieren. Dabei vergisst man dann aber den Faktor Mensch – der (1.) psychisch leistungsfähig sein muss und (2.) überhaupt auch noch präsent sein muss (und nicht erschossen oder geflohen). Natürlich könnte man können, aber die Frage muss erlaubt sein, wie hoch man die Anforderungen realistischerweise (mit allen Konsequenzen!) hängen möchte.

Man kann allenfalls eine Lehre daraus ziehen:

Wenn das veranstaltungseigene Sicherheitssystems kollabiert, müssen die Besucher in der Lage sein, sich selbst retten zu können – sprich, eigenständig über die Fluchtwege die Location verlassen zu können. Bedenklich ist also, wenn eine schnelle Räumung hauptsächlich auf Ordner und Sicherheitskräfte baut, weil Türen (oder Bauzauntore) vielleicht doch irgendwie verschlossen sind (wie das bspw. oft mit Kabelbindern gemacht wird, die von den Sicherheitskräften dann schnell mal aufgeschnitten werden sollen).

 

Urheberangabe für das/die Foto(s) (Symbolfoto):

  • Regenschirm gegen Abrisskugel: © gearstd - Fotolia.com