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aus dem Eventrecht

Knallerei im Theater

Von Thomas Waetke 18. Juni 2013

„Verehrte Gäste, Achtung. In wenigen Sekunden wird ein lauter Schreckschuss ertönen. Wir bitten Sie, den Zuschauerraum umgehend zu verlassen.“ 3, 2, 1… Peng. „Verehrte Gäste, der Knall ist vorbei, Sie können nun wieder hereinkommen, vielen Dank für Ihr Verständnis“.

So soll es nach Auffassung des Bundesgerichtshof nicht in einem Theater zugehen.

Ein Theaterbesucher hatte auf Schadenersatz geklagt, nachdem er während einer Vorstellung einen Tinnitus durch einen 129 dB lauten Schreckschuss eines Darsteller erlitt. Vor Gericht ging es um die Frage, ob der Zuschauer hätte vorher gewarnt werden müssen.

Nein, so der BGH, jedenfalls dann nicht, wenn ein Schadenseintritt unwahrscheinlich war.

Grundsätzlich müsse ein Theaterveranstalter im Rahmen des Erforderlichen und Zumutbaren seine Besucher vor Schäden schützen. Dies gilt aber nur dann, wenn ein Schadenseintritt wahrscheinlich und vorhersehbar ist

Ein Sachverständiger hatte die Schadenswahrscheinlichkeit allenfalls im Promille- bereich gesehen. Zudem wurden keine anderen Besucher verletzt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Gegen unwahrscheinlich eintretende Risiken muss sich der Verantwortliche grundsätzlich nicht wappnen. Die Kunst ist allerdings, im Voraus zu erkennen, ein Schadenseintritt nicht vielleicht doch wahrscheinlich ist.

Dann gelten folgende Fausformeln:

  • Je weniger die Gefahr erkennbar, desto mehr muss der Verantwortliche dagegen tun.
  • Je weniger die Gefahr für den Besucher beherrschbar ist (z.B. durch einfaches Umgehen), desto mehr muss getan werden.
  • Je krasser die Auswirkungen sein können, desto mehr muss der Verantwortliche tun.