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aus dem Eventrecht

Kleiner Tippfehler, große Wirkung

Von Thomas Waetke 28. April 2011

Im neuen Stadtführer „Willkommen in Düsseldorf“, der für den bevorstehenden Eurovision Song Contest erstellt wurde, hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen:

Beworben werden sollte u.a. ein „Aktionstag der Schulen“. Versehentlich hieß es aber in der deutschen Ausgabe des Stadtführers dann „Aktionstag der Schwulen“. Die Übersetzung für die englische Ausgabe lautet insoweit korrekt übersetzt „Gay´s day of action“.

Da die Zeit für einen Neudruck nicht mehr ausreicht, hat man die Fehlerstelle nun einfach überklebt – viel Arbeit bei knapp 100.000 Broschüren…

Und gleich hat man noch einen Tippfehler entdeckt: In der englischen Broschüre heißt es „Wielcome to Duesseldorf“. In den englischen Broschüren (ca. 35.000 Stück) wurde bzw. wird dieser Fehler mittels Stift übermalt.

Anmerkung von Rechtsanwalt Thomas Waetke:

Betrachten wir mal nur die rein rechtliche Seite: Wer haftet, wenn sich in Werbebroschüren, Plakaten usw. Fehler eingeschlichen haben?

Hier muss man vorweg zwei „Richtungen“ unterscheiden, in die ein Fehler sich auswirken kann:

  1. Einmal gegenüber dem, der die Broschüre, das Plakat für sich hat herstellen lassen, sich über den Fehler ärgert und ihn aus optischen oder anderen Gründen geändert haben will.
  2. Und zum anderen der Dritte, der durch den Fehler in Mitleidenschaft gezogen wird, bspw. weil sein Bild unerlaubt auf dem Plakat verwendet wird.

1.a.) Innenverhältnis – fremde Agentur

Wenn der Veranstalter die Broschüre usw. bei einer Agentur in Auftrag gegeben hat, kommt es darauf an, wofür diese fremde Agentur zuständig war: Sie muss auch für den Text bzw. die Kontrollen zuständig gewesen, also beauftragt worden sein. Dieser Auftrag muss nicht unbedingt ausdrücklich erteilt worden sein („Kontrollieren Sie bitte auch den Text auf Rechtschreibfehler“), sondern kann auch schlüssig/konkludent erfolgt sein bzw. sich aus den Umständen ergeben.

Wenn man der Agentur nun den Fehler in die Schuhe schieben könnte, bedeutet das aber nicht, dass der Auftraggeber nun alles machen und die Agentur alles bezahlen muss.

Wenn es sich bspw. um einen kaum erkennbaren Fehler handelt, würde im Zweifel gar nichts passieren, bzw. der Auftraggeber hätte keinen Anspruch.

Auch muss der Auftraggeber den Schaden so gering wie möglich halten. Wenn also ein Neudruck deutlich teurer ist als eine manuelle Überarbeitung, muss er die manuelle Bearbeitung wählen und kann dann diese Kosten erstattet verlangen. Er kann natürlich auch den teuren Neudruck wählen, dann bleibt er aber auf den Differenzkosten sitzen.

Die Art des Anspruchs hängt auch von dem Vertragstyp ab. Handelt es sich um einen Werkvertrag, hat der Auftraggeber mehrere verschiedene Rechte (siehe § 634 BGB).

Hinweis: Je umfangreicher und „größer“/wichtiger der Auftrag, desto mehr lohnt sich die Formulierung eines ausführlichen selbst erstellten Vertrages, der dann auch solche Fragen regelt und ggf. mehr hergibt als das Gesetz (das ja dann gilt, wenn es keine eigenen Vereinbarungen gibt).

1.b.) Innenverhältnis – eigener Mitarbeiter

Der Fehler kann auch von einem eigenen Mitarbeiter verursacht worden sein, der für die Erstellung beauftragt worden ist. Im Arbeitsrecht gilt mit Blick auf die Haftung des Arbeitnehmers das so genannte Drei-Stufen-Modell: Bei Vorsatz muss der Mitarbeiter den gesamten Schaden ersetzen, bei leichter Fahrlässigkeit muss er gar nichts ersetzen. Hat er mit mittelschwerer Fahrlässigkeit gehandelt, müsste er zumindest einen Anteil ersetzen.

2.) Außenverhältnis – ein Dritter wird verletzt

Wenn im Plakat Bilder auftauchen, ohne dass der Veranstalter die Rechte daran hat, kann er vom Rechteinhaber in Anspruch genommen werden. Verantwortlich ist bei solcherart Rechtsverletzungen immer (auch) der Verwerter = derjenige, der das Plakat für sich nutzt.

Unter gewissen Umständen kann er im Innenverhältnis von der beauftragten Agentur Schadenersatz verlangen, wenn die Agentur mit der Auswahl des Bildes beauftragt war. Es ist aber empfehlenswert, dass der Auftraggeber bzw. Veranstalter mit der Agentur eine so genannte Freistellung vereinbart für den Fall, dass er von einem Dritten in Anspruch genommen wird.